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Lasst die Curbs rechts liegen!

Nicht nur Schumi fährt gern schnell um Kurven. Mit seinen Fahrer-Lehrgängen für Mitglieder und Gäste zelebriert der Alpine-Club LE TURBOT alljährlich die schöne Kunst des rasanten Autofahrens auf dem Hockenheim-Ring.

Du lieber Gott, wo kommt der denn her? Aus dem grauen Schatten ist plötzlich ein weißer BMW M3 geworden, der rasend schnell das Beifahrerfenster unseres MINI Cooper S ausfüllt. Freund Alex hat gerade „auf dem Zahnfleisch“ die Schikane angebremst und den zweiten Gang reingeknallt, um jetzt, auf der Ideallinie, durch die erste Rechtskurve zu brettern und dieser Kerl hat die felsenfeste Absicht, uns an dieser Stelle innen zu überhooo...

Ein Glück, der erwartete Knall bleibt aus! „Landschlachterei Asmus“ kann ich noch schnell auf dem Kotflügel des BMW lesen, als dieser sich mit Wucht an uns vorbeiquetscht. Erleichtert löse ich meine Hand vom Türgriff. Ein Rempler wäre aber auch zu dumm gewesen, immerhin haben wir den MINI gerade erst noch waschen lassen.

Liebe Alpine-Freunde...

„Liebe Alpine-Freunde, liebe Lotus-Freunde, liebe Sportwagenfreunde, herzlich willkommen zu unserem traditionellen 2-tägigen Fahrerlehrgang zu Ostern 2004 auf dem Hockenheim-Ring“, heißt es in der Einladung des Alpine-Clubs LE TURBOT aus Nürnberg. Zum 24. Mal hat der Club zur Einführung in die Kunst des schnellen Autofahrens geladen und wieder sind viele Teilnehmer aus Deutschland, der Schweiz und sogar aus Frankreich angereist.

Heuer sind es 93 Fahrzeuge aller Couleur, die zum Lehrgang gemeldet sind. Denn obwohl der Alpine-Club LE TURBOT mit seinem Namen auf die berühmten Renn-Flundern (die Flunder, französisch: le turbot) vom Typ Renault A 110 Alpine verweist, dürfen die Teilnehmer mit jedem Auto antreten, das den Geräuschwert der StVZO erfüllt. Das garantiert Artenvielfalt.

Ob auf eigener Achse oder auf dem Hänger angereist, ob serienmäßig oder im Renntrimm, ob topgepflegt oder leicht angegammelt: das Fahrerlager ist prall gefüllt mit mehr oder weniger sportlichen Fahrzeugen der jüngeren Automobil-Geschichte. Unter anderem französische Alpine A 110 und Renault R5 Turbo; englische Lotus Elise und MINI Cooper; deutsche Porsche 911 und 3er BMW. Schnelle Wagen, eine freie Rennstrecke und strahlender Sonnenschein: ein Super-Event für alle Autofreunde!

Was ist ein Fahrerlehrgang?

Ein Fahrerlehrgang ist kein Rennen, bei dem die schnellste Rundenzeit das Maß aller Dinge ist. Die Teilnehmer werden hier in Gruppen - Neulinge, Fortgeschrittene und Sportaktive – aufgeteilt und abschnittsweise mit der Charakteristik des Hockenheim-Rings vertraut gemacht. Unter Anleitung geübter Instruktoren „erfahren“ die Teilnehmer, wo sie zu bremsen, wo zu schalten und auf welcher Ideallinie („Hier innen halten, lasst die Curbs rechts liegen!“) sie die Kurven zu nehmen haben, um richtig schnell unterwegs zu sein. Bewertet und ausgezeichnet wird zum Abschluß des Lehrgangs der möglichst perfekte Fahrstil und nicht der Speed. So weit, so gut.

Im Vordergrund stehen bei allen Teilnehmern aber zwei andere Dinge: das „Freie Fahren“ mit dem Auto am Nachmittag - und das „Freie Quatschen“ über das Auto beim abendlichen Buffet. Fahren am Limit, reden am Limit - und immer im Kreis herum: mein Auto, dein Auto, diese Strecke, jene Strecke, dieser Reifen, jene Abstimmung, die Formel 1, die DTM, dieses Auto, jene Reifen... so könnte es ewig gehen. Müßig zu erwähnen, dass Frauen in dieser Runde - körperlich wie thematisch, deutlich in der Minderheit sind.

Symbiose Fahrer - Mechaniker

„Hast du den Andy gesehen?“ Thomas Souchek (39), Autoverkäufer aus München, sucht dringend seinen Mechaniker. Sein liebevoll aufgebauter MINI Cooper S (gewichtsoptimiert, Überrollkäfig, Cooper Works-Kit, Brembo-Bremsen, Rennräder, Speziallackierung im Gulf-Design, Materialwert: € 40.000) macht Mucken beim Anbremsen. „Er soll Ratschen und Drehmomentschlüssel bringen; irgendwas ist mit den Vorderrädern!“ Sagt´s und braust wieder auf die Rennstrecke. Thomas ist absoluter Rennsport-Fan, besitzt eine Rennfahrer-Lizenz und schneidet mit seinem Renner durchs Fahrerfeld wie das heiße Messer durch die Butter. Nervös wird er nur, wenn sein blau-orangefarbener Kugelblitz nicht so schnurrt wie er soll. Dann muss der Andy her.

Fahrer und Mechaniker, ein Beispiel für symbiotische Beziehungen unter Menschen! Schnell fahren kann der Eine – besitzt aber „zehn Daumen“. Der Schrauber, in diesem Fall Andreas Hüls (24) aus München, hat zwar keine Renn-Gene abbekommen („Es gibt auch noch bessere Themen als nur Autos!“), spricht aber die Sprache der Vierrädrigen. Einen Qualifikation mit handfesten Nachteilen übrigens, denn gute Mechaniker besitzen Priester-Status. Einmal erkannt, setzt rasch ein Pilgerzug von Fahrern ein, die Rat und Tat zum eigenen Auto erwarten.

Tja, lieber Thomas Souchek, jetzt hat er sich erstmal abgesetzt, der Andy, und läßt sich mit einem Maserati Ghibli über die Rennstrecke chauffieren. Muss halt auch mal ohne ihn gehen.

Erzieherische Werte

Natürlich lernt man am Hockenheim-Ring schnelles Autofahren. Und, bei aller Hitze im Duell auf der Strecke: Sicherheit und Rücksichtnahme werden hier unter den Teilnehmern genauso großgeschrieben und ernstgenommen wie Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft im Fahrerlager. Vielfach unterschätzt wird aber der erzieherische Wert eines Fahrerlehrgangs.

Zum einen darf Freund Alexander Horn (37), Unternehmensberater aus Hamburg, erkennen, dass sein neuer, teurer MINI Cooper S durchaus in einem angejahrten BMW M3 oder gar Renault Laguna seinen Meister (doch Alex, es ist so!) finden kann. 

Zum anderen wird gerade den jüngeren Teilnehmern vor Augen geführt, dass graue Schläfen kein Hinweis auf Langsamkeit sind. Ältere Gentlemen und ihre zum Teil mitgereiften Autos folgen hier durchaus dem Gleichnis vom guten Wein.

Am Ende wird aber auch deutlich, dass die Männerdomäne "Fahrerlehrgang / Sportliches Fahren" doch nur ein Mythos ist. Steffi Goller (22) Studentin der Sonderpädagogik, wird jedenfalls auch nächstes Jahr wieder mit dem alten, aber feinen Renault Alpine 1300 ihres Vaters dabei sein. „Ich bin zu Hause zwischen schnellen Autos und Motorrädern groß geworden“, erklärt die zierliche Fahrerin aus Böblingen den Hintergrund ihrer Motorsportbegeisterung. Für notwendig, um einmal selbst das Lenkrad in die Hand zu nehmen, hält sie dieses Umfeld aber nicht: „Ich rate den Frauen, einfach nicht so ängstlich zu sein!“

Und stören wird es die Männer sicher nicht, wenn mehr Frauen sich für Autos und das schnelle Fahren interessieren würden. So könnte man sich auch zu Hause endlich über mehr Themen unterhalten... als nur über Fußball!

Text: citysports.de, 2004

Fahrerlehrgang auf dem Hockenheim-Ring
Veranstalter ist der Alpine-Club LE TURBOT
Ansprechpartner: Herr Manfred Gantenbrink
Hochstraße 19, 90429 Nürnberg
Telefon: 0911 – 92667-13
Internet: www.alpine-club-le-turbot.de

Der Fahrerlehrgang dauerte Ostern 2004 vom 10. April (Anreise) bis zum 12. April. Kosten pro Fahrzeug: € 350,- (Fahrer + Beifahrer). Verpflegungs- und Hotelkosten pro Person: € 145,-.

Zugelassene Fahrzeuge: Alle Alpine-Typen, sowie sportliche Renault-Fahrzeuge und andere Sportwagen, deren Geräuschwert der StVZO entspricht. Sturzhelmpflicht!

Auf einer Rennstrecke fahren

Wo kann man in Deutschland auf einer Rennstrecke fahren? Habt ihr das schonmal ausprobiert - wir freuen uns über Tipps und Erfahrungsberichte im Forum.

 

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