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Mehr Bewegung für Großstadtkinder!Frei zugängliche Spiel- und Bewegungsräume für Kinder werden in den Städten immer seltener. Der Eimsbütteler Turnverband (ETV) in Hamburg versucht, diese negative Entwicklung mit den Mitteln eines Vereins auszugleichen.
Wo hat man zuletzt die Kreidestriche der Hüpfspiele auf dem Bürgersteig gesehen? Wann sind das letzte Mal kleine Fahrradler auf Wettfahrt an einem vorbeigesaust?. Und wie lange hat man sich eigentlich nicht mehr über ein endloses Gekicke gegen Garagenwände aufgeregt oder überlegt, ob der lautstarke Streit unter dem Fenster nun ernst zu nehmen ist oder nicht? Wer jetzt lange nachdenken muss (und das gilt leider für die meisten von uns), bestätigt damit die Ergebnisse einer Vielzahl wissenschaftlicher Studien: Spielende und tobende Kinder werden immer seltener in unseren Städten! Immer seltener werden aber auch gesunde Stadtkinder, wie Untersuchungen im Grundschulalter zeigen. Insbesondere Krankheitssymptome, die eindeutig auf Bewegungsmangel zurückzuführen sind, haben einen starken Zuwachs. So müssen Eltern, Ärzte und Lehrer in einem dramatisch ansteigendem Maße Übergewicht, Wahrnehmungs- und Koordinationsstörungen, Muskel- und Haltungsschwächen sowie sozial-emotionale Störungen zur Kenntnis nehmen. Das Fazit dieser Beobachtungen darf nicht wirklich überraschen: Geistig, körperlich und seelisch gesunde Kinder brauchen Bewegung und natürlich auch den Raum zur Bewegung – doch sie bekommen, insbesondere in Großstädten, viel zu wenig davon. Was tut der ETV in Hamburg? In dieser Situation sieht sich natürlich auch der Eimsbütteler Turnverband e.V. im Hamburg gefordert, seinen Teil beizutragen, um diese negative Entwicklung aufzuhalten. „In den Bereichen des Kinderturnens und des Wettkampfsports ist der ETV besonders gut aufgestellt“, erklärt dazu Lutz Harnisch-Schwerdt, der Geschäftsführer des Eimsbütteler Turnverbandes. In der Tat führt das Sportangebot des Hamburger Großvereins eine Vielzahl von Kursen auf, in denen schon sehr kleine Kinder spielerisch ihrem Bewegungsdrang nachkommen und vielfältige Bewegungserfahrungen machen können. Und auch die älteren Heranwachsenden finden in einem breiten Wettkampfsportbereich Angebote vor, die ihre spezifischen Ansprüche befriedigen und ihre Fertigkeiten fördern. „Bald werden wir sportartenübergreifende Angebote für die 6 bis 10jährigen ins Programm nehmen, die noch stärker das Spielerische betonen“, erläutert der Ex-Wasserballer Harnisch-Schwerdt die weiteren Planungen. Doch auch ein Großverein hat seine Grenzen: „Wir verfügen leider über keine Freianlagen, die Kinder tagsüber für sich nutzen könnten“, bedauert der Mann vom ETV. Verinselung und Verhäuslichung Die Bewegungsangebote für Stadtkinder auf ein gesundes Mindestmaß anzuheben, kann auch niemals allein die Aufgabe der Sportvereine sein. Denn verantwortlich für diese negative Entwicklung ist eine Vielzahl von gesellschaftlichen Veränderungen in den letzten Jahrzehnten, die unter anderem in den Begriffen Verinselung und Verhäuslichung ihren Niederschlag finden und auf die ein Verein wie der ETV nur sehr begrenzt einwirken kann. Insbesondere die sogenannte Verinselung erweist sich dabei als ein Hauptproblem. Soziologen, Pädagogen und auch Städteplaner bezeichnen damit den Umstand, dass Großstadtkinder immer weniger frei zugängliche Spiel- und Bewegungsräume vorfinden, in denen sie ihre natürlichen Bewegungsbedürfnisse spontan und gefahrlos ausleben können. Hier spielt in erster Linie der stark angestiegene Autoverkehr eine maßgebliche Rolle, der die Heranwachsenden von öffentlichen Straßen und Plätzen verdrängt. Die Kinder werden dabei immer mehr von den (berufstätigen) Erwachsenen abhängig, die sie sicher von Ort zu Ort bringen müssen und können nicht mehr selbstständig die Umgebung ihres Wohnquartiers für sich erobern. Dazu addieren sich die unter dem Begriff der Verhäuslichung angeführten Tendenzen, Kinder immer öfter ihre Freizeit zu Hause verbringen zu lassen. Hier sorgt insbesondere die intensive Nutzung von TV, PC und Videospielen über viele Stunden am Tag dafür, dass sich Kinder nur im geringen Maße bewegen und körperlich-sinnliche Erfahrungen nur noch „aus zweiter Hand“ machen können. Netzwerke könnten helfen Um die Bewegungs- und Spielmöglichkeiten der Stadtkinder wirklich zu verbessern, fordert der Psychologe Dr. Heinz Krombholz aus München eine Abkehr vom „Fetisch Auto“ – zusammen mit der Einführung von Tempo 30 in allen Wohngebieten und dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Laut Krombholz müssen alle Maßnahmen einem Grund-satz gerecht werden: „Kinder brauchen Wohnräume, Straßenräume, Freiflächen und Spielplätze, die ihren Bewegungsbedürfnissen entgegenkommen und die für sie ohne Gefahr erreichbar und nutzbar sind. Eine viel raschere Lösung sieht Prof. Knut Dietrich, vom Hamburger Forum Spielräume e.V. an der Universität Hamburg, in der besseren Verbindung der (Kinder-) Inseln untereinander und in einem Netzwerk der Beteiligten. Er fragt: „Wie können Familie, Kinderkrippe, Kindergarten, -tagesstätte, Grundschule, Vereine, Bildungseinrichtungen usf. Verbindung miteinander aufnehmen und zusammenarbeiten, ohne die Kinder in einem zu engen Netz von Sorge und Umsorgung in ihrer Entwicklung einzuschnüren?“ Für den ETV-Geschäftsführer Lutz Harnisch-Schwerdt wäre eine Zusammenarbeit mit anderen Institutionen überhaupt kein Problem: „Warum sollen die Vereine zum Beispiel die Schulhöfe nicht am Nachmittag nutzen können, die sonst fast immer abgeschlossen werden?“ Mit der von vielen Seiten gewünschten „freien Benutzung“ dieser Flächen erscheint ihm dieser Weg allerdings nicht gangbar: „Natürlich müssten Übungsleiter oder andere Aufsichtspersonen angestellt und bezahlt werden – auch um die Schulhöfe vor der Verwahrlosung zu bewahren. Ohne ein Mitgliedersystem finanziert sich das aber nicht!“ Aber wäre dieser Weg wirklich ein Problem? Der ETV-Monatsbeitrag für Kinder bis 18 Jahren beläuft sich auf € 10,80. Das dürften uns gesunde Kinder schon wert sein, oder nicht? Achim Bartscht, Dezember 2003
Insbesondere der stark angewachsene Autover- kehr hat Kinder von öffentlichen Straßen und Plätzen verdrängt. Helfen nur noch rigorose Fahrverbote? Zum Forum.... Alle Anbieter für Sport, Fitness, Wellness und Gesundheit |
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