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Auge zu und runter

Sicherheit im Wintersport beginnt nicht auf dem Kopf, sondern im Kopf: Ein Pistenführerschein soll die Skihänge sicherer machen. Vor allem Jungs brauchen ihn. Ein Bericht von Thomas Becker.

Allein die Sache mit dem peripheren Sehen. Selbst wer schon seit 40 Jahren auf Skiern steht, lernt noch dazu und sich selbst besser kennen. Also: Mit beiden Händen ein kleines Dreieck bilden und mit den Augen ranzoomen. Das geht mit dem einen Auge besser als mit dem anderen. Skilehrer Michael Brunner erklärt: "Jeder Mensch hat ein starkes und ein schwaches Auge, ein sogenanntes Zielauge und eins für das periphere Sehen."

Wer das starke Auge zuhält oder gar mit Augenklappe fährt, trainiert somit das schwächere Sehorgan, verbessert seine periphere Wahrnehmung. Am ein- fachsten lässt sich das beim Synchronfahren testen: Was beim gemein- samen Schwingen links vom Partner gut funktioniert, klappt auf der rechten Seite noch besser.

Michael Brunner ist Leiter der Garmischer Skischule und Ausbildungs-Chef des Deutschen Skilehrerverbands (DSLV). Mehr als 14.000 Ski- und Snow- boardlehrer arbeiten in den etwa 250 Skischulen des DSLV, und seitdem das Thema Sicherheit immer öfter Gegenstand von Diskussionen geworden ist, bieten die Skischulen im Rahmen eines Skikurses einen Fahrsicherheits-Check an.

"Sicherheit im Wintersport beginnt nicht auf dem Kopf, sondern im Kopf", sagt DSLV-Präsident Wolfgang Pohl und appelliert an die Selbstverantwortung jedes Einzelnen. Schnelles Ausweichen oder eine Notbremse zwingen zum "Verlassen der persönlichen Komfortzone", wie es der DSLV anschaulich formuliert. Es gilt, Gefahrenstellen zu erkennen, überraschende Momente sicher zu beherrschen, je nach Schnee- und Hangbeschaffenheit und Tempo.

Nach einer Statistik des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit betrug der Anteil der Kollisionsunfälle im vergangenen Winter etwa zehn Prozent - 90 Prozent aller Pistenunfälle sind also Stürze ohne Fremdein- wirkung.

Viele Fahrerfluchtunfälle

Laut Hans Ebner von der Alpinpolizei sind im Winter 2008/09 in Österreich 44 Menschen ums Leben gekommen, zehn mehr als im Vorjahr. Bei jedem zweiten Alpin-Notfall handelte es sich um einen Herzinfarkt, neun Menschen starben nach einem Sturz ohne Fremdeinwirkung, sieben nach einem Kollisionsunfall und fünf nach einem Aufprall auf ein feststehendes Hindernis. Bedenklich ist auch die Zahl der Unfallflüchtigen: "Bei jedem fünften Kollisionsunfall handelte es sich um einen Fahrerfluchtunfall", sagt Ebner.

Am häufigsten an Unfällen beteiligt sind Männer zwischen 40 und 50 sowie junge Fahrer zwischen zehn und 20 Jahren, etwa 60 Prozent Jungs und 40 Prozent Mädchen. Aufklärung in Sachen Sicherheit kann also gar nicht früh genug beginnen.

Beim DSLV hat man darauf reagiert: Seit ein paar Jahren können junge Skifahrer im Rahmen des Programms "kids on snow" (alle Termine unter www.kidsonsnow.de) den Pistenführerschein machen, eine Art Frei- schwimmer für Skifahrer und Snowboarder. "Kleinere Kinder können Gefahren auf den Pisten noch nicht richtig einschätzen, weil das räumliche Sehen und differenzierte Hören noch nicht vollständig entwickelt ist", sagt Norbert Haslach, Vorstand der Schneesportschulen in Deutschland.

Je nach Leistungsniveau gibt es den Pistenführerschein in den Kategorien blau, rot, und schwarz. Kein Skilehrer wird ihnen dabei mit Fremdwörtern wie peripheres Sehen kommen, und mit Augenklappe muss der Nachwuchs auch nicht üben. Nur das Ziel ist das gleiche wie bei den Großen: "Mehr Sicherheit durch mehr Fahrkönnen."

Autor: Thomas Becker
© Süddeutsche Zeitung GmbH, München. Mit freundlicher Genehmigung von http://www.sz-content.de (Süddeutsche Zeitung Content)
Foto: Deutscher Skilehrerverband e.V. - www.kidsonsnow.de

 

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Bild: photocase.com
 

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