Blut ist ein besonderer Saft!

Ein Laktattest nützt nicht nur Leistungssportlern! Personal Trainer Dirk Riemann aus München erklärt, warum die Leistungsdiagnostik auch für normale Fitnesssportler sinnvoll ist.

Leistungsdiagnostik – ein Wort, das viele schon mal gehört und in der Regel sofort mit Spitzensport in Verbindung gebracht haben. Eine solche Diagnostik ist aber keinesfalls nur für hochambitionierte Sportler interessant! Sie ist auch für den normalen Fitnesssportler aufschlussreich und nützlich, weil hier der Gesundheitsaspekt und das Wohlfühlen im Alltag im Vordergrund steht und nicht die maximale Leistungsentwicklung.

Nur eine Leistungsdiagnostik erlaubt eindeutige Empfehlungen, mit welcher Intensität eine Person trainieren sollte. Pauschale Ratschläge wie „Trainiere bei einem Puls von 130“, „Rechne Deinen Trainingsbereich mit der Altersformel aus“ oder „Ziehe Dein Lebensalter von 180 ab und Du hast Deinen Trainingspuls“ hört man immer wieder. Sie sind zwar hilfreicher als ein völlig orientierungsloses Training. An exakte Informationen gelangt man aber nur durch einen Laktat-Stufentest!

Wie läuft eine Leistungsdiagnostik ab?

Im Folgenden wird eine Leistungsdiagnostik in Form eines „submaximalen Laktat-Stufentests“ beschrieben. Die Testperson absolviert einen Leistungstest auf einem Laufband oder einem Fahrradergometer, nachdem zuvor ein ausführliches Gespräch zu sportlichen Erfahrungen und zum aktuellen Gesundheitszustand geführt wurde. Grundsätzlich muss jede Testperson zum Zeitpunkt des Tests vollständig gesund und belastbar sein.

Nach einer ausgiebigen Aufwärmphase von mindestens 15 Minuten wird in gleichbleibenden zeitlichen Abständen immer wieder ein kleiner Blutstropfen am Ohr oder der Fingerkuppe entnommen und sofort analysiert, um die aktuell vorhandene Menge Laktat im Blut zu ermitteln (mehr zum Laktat im nächsten Textabschnitt). Die Blutentnahme ist nichts anderes als ein kleiner, schmerzloser „Pieks“ unter hygienisch einwandfreien Bedingungen.

Die Belastung wird von einer zur nächsten Blutentnahme gleichmäßig gesteigert und die dabei vorhandene Herzfrequenz und Geschwindigkeit (Laufband), beziehungsweise Watt-Leistung (Fahrrad) im Testprotokoll notiert. Eine maximale Ausbelastung während des Tests wird nicht angestrebt, da sie für die meisten Menschen nicht notwendig ist, um klare Ergebnisse zu erhalten, und außerdem mit einem unnötigen Gesundheitsrisiko verbunden ist.

Was ist Laktat?

Laktat (Salz der Milchsäure) ist ein Stoffwechselnebenprodukt, das bei jeder Form von körperlicher Aktivität gebildet wird. Sogar in Ruhe ist immer eine gewisse Menge Laktat im Blut vorhanden. Angegeben wird die vorhandene Laktat-Menge in Millimol pro Liter Blut (mmol/l). Die jeweils vorhandene Menge an Laktat im Blut (die Laktat-Konzentration) gibt Aufschluß darüber, welche Trainingswirkung für den Organismus aus der jeweiligen Belastung resultiert.

Die Sauerstoffversorgung der arbeitenden Muskulatur ist die wichtigste Einflußgröße auf den Verlauf der Laktat-Konzentration. Je effizienter diese Sauerstoffversorgung funktioniert, desto besser. Das Verhältnis aus benötigtem und tatsächlich vorhandenem Sauerstoff – die Sauerstoffaufnahmefähigkeit – läßt sich nur durch regelmäßiges Ausdauertraining (3 bis 4 mal pro Woche 45 bis 60 Minuten) in der richtigen Intensität optimieren.

Hauptziel eines Laktat-Stufentests

Das Hauptziel eines Laktat-Stufentests für Gesundheitssportler besteht darin, eine Aussage darüber treffen zu können, bei welcher Intensität trainiert werden sollte, um ein stabiles Grundlagenausdauer-Fundament zu schaffen, beziehungsweise es zu verbessern. Grundlagenausdauertraining ist Training, bei dem immer mehr als genügend Sauerstoff zur Verfügung steht und bestimmte mmol-Mengen Laktat nicht überschritten werden. Nur so kann der Fettstoffwechsel optimal aktiviert werden, denn ohne genügend Sauerstoff funktioniert der Oxidationsvorgang „Fettverbrennung“ ganz einfach nicht. Die gefühlte Anstrengung ist hierbei meist gering bis mittelmäßig.

Wichtig: Egal welchen Trainingszustand man hat – das Grundlagentraining bleibt immer der wichtigste Trainingsbereich!

Training nach Gefühl?

Beim Training ist zu unterscheiden zwischen der äußeren Belastung und der inneren Beanspruchung, also zwischen dem Belastungsempfinden und der physiologisch tatsächlich vorhandenen Beanspruchung. Wie aus zahlreichen Studien und Erfahrungen von Spitzensportlern eindeutig hervorgeht, weichen diese beiden Aspekte häufig voneinander ab – ein Beweis dafür, daß Training „nach Gefühl“ oftmals viel zu ungenau ist. Durch einen Laktattest wird eine exakte Aussage zur inneren Beanspruchung möglich.

Training nach Herzfrequenz

Die Herzfrequenz (HF) ist ein leicht anwendbarer Parameter zur Überprüfung der Trainingsintensität und ein unverzichtbares Hilfsmittel bei der Trainingssteuerung! Die HF allein ist aber zu wenig aussagefähig, um wirklich bestimmen zu können, welche Wirkung aus dem gerade praktizierten Training folgt. Selbst bei Personen gleichen Alters, gleichen Geschlechts und gleichem Trainingszustand, kann die Höhe der HF bei identischem Belastungsempfinden sehr stark variieren.

Ein Beispiel: Zwei 40jährige gesunde Männer mit gleichem „Fitnesslevel“ laufen nebeneinander her und haben beide das Gefühl, dass sie locker unterwegs sind. Der eine hat eine HF von 120, der andere von 140. Trotz der Differenz von 20 Schlägen, kann es sein, dass beide im selben Trainingsbereich unterwegs sind und eine identische Trainingswirkung erzielen.

Absolute HF-Werte haben also im direkten Vergleich oftmals keine qualitative Aussagekraft. Durch eine Leistungsdiagnostik kann man die HF ins Verhältnis zur Laktat-Konzentration setzen, und hat somit eine genaue Orientierung und Steuerungsmöglichkeit für einen optimalen Trainingsaufbau.

Lassen Sie es darauf ankommen

Egal, ob Sie schon jahrelang Sport treiben, ob Sie abnehmen möchten oder ob Sie jetzt mit dem Training beginnen möchten – absolvieren Sie eine Laktattest und erfahren Sie, ob Sie bisher richtig trainiert haben, ob Sie Ihr Training umstellen sollten, wie Sie trainieren müssen, um optimal und gesundheitsförderlich Gewicht zu verlieren (hier ist zusätzlich natürlich die Ernährung zu beachten) und wie Sie Ihr Training von Beginn an aufbauen sollten.

Autor: Dirk Riemann, Personal Trainer aus München