Boxen ist schön und anspruchsvoll!

Als Zehnjährige kommt die heutige Profiboxerin im Federgewicht Ina Menzer aus Kasachstan nach Deutschland. In Mönchengladbach wird sie mit 14 Jahren von drei Mädchen verprügelt und anschließend von den Eltern zum Kampfsport geschickt.

citysports.de: Schon seit ihrem zehnten Lebensjahr sind Sie vom Boxen begeistert, mit 14 Jahren haben Sie mit Kung Fu angefangen, mit 16 Jahren geboxt - ist das ein gutes Einstiegsalter?

Ina Menzer: Man kann eigentlich nicht früh genug mit einer Sportart anfangen. Trotzdem muss man natürlich erst mal das Richtige für sich finden, was einem auch Spaß macht. Mich hat Kampfsport schon immer begeistert, ich habe Jackie-Chan-Filme verschlungen und dann letztendlich das Boxen für mich entdeckt. 

Wenn Sie sich zurückerinnern, wie ist es damals bei Ihren Freunden angekommen, dass Sie als „Mädchen“ geboxt haben?

Mhm, grundsätzlich ist Boxen ja immer noch kein klassischer Mädchen- bzw. Frauensport, aber mittlerweile haben wir weiblichen Profis den Weg geebnet und das Boxen „salonfähiger“ gemacht. Langsam rümpfen selbst die Kritiker nicht mehr so stark die Nase. Das war früher natürlich anders. Aber mit meiner Begeisterung, meinem Ehrgeiz und meinem Können habe ich dann – auch meinen Freunden – bewiesen, dass Boxen einfach meine Sportart ist und ich in einem Ballettstudio einfach fehl am Platz wäre. Trotzallem war und bin ich ja ein Mädchen bzw. eine Frau, die auch gerne shoppen geht, sich schminkt und schöne Klamotten mag.

Warum trauen sich eigentlich noch immer nicht so viele Frauen zu boxen?

Das weiß ich allerdings auch nicht ... wahrscheinlich, weil sie Angst um ihre Schönheit haben.

Einige haben auch Angst um ihren Busen …

Bestimmt, aber dafür gibt es ja einen Brustschutz. Den sollte man auch unbedingt tragen!!!

Wenn man eine Boxrunde lang (3 Minuten) auf der Stelle hüpft, ist das schon anstrengend genug, dann auch noch die Arme hochnehmen, decken, angreifen … was steht auf dem Trainingsplan, um in der Welt unschlagbar zu sein?

Ausdauer- und Konditionstraining wie z.B. Rad fahren oder laufen, normales Krafttraining und natürlich boxspezifisches Training wie Sandsackarbeit, Schattenboxen, Pratzenarbeit und viel Partnertraining. UND natürlich Re- generation wie Massage, Sauna oder einfach mal entspannen und relaxen. Viel Schlaf ist wichtig und eine gesunde Ernährung. Kein ungesundes, fettiges Essen – kein Alkohol.

Von wegen Schlaf ... privat engagieren Sie sich u.a. ehrenamtlich mit einem eigenen Box-Camp für Kinder und Jugendliche.

Bislang habe ich mein Camp – vor allem aus Zeitgründen – erst zwei Mal durchgeführt. Beide Male in Gladbach. Beide Camps waren ein voller Erfolg und ich hoffe sehr, dass ich bald wieder eins durchführen kann. Gerne würde ich das Camp auch mal in Hamburg anbieten...

In meinem Box-Camp arbeite ich dann mit ca. zwölf Jugendliche im Alter von 14-18 Jahren, um ihnen mit Hilfe von Boxübungen und der Philosophie des Boxens zu mehr innerer Stärke und Selbstbewusstein zu verhelfen. Das Camp geht dann über zwei Tage und ich bin selbst die ganze Zeit vor Ort. Unterstützt hat mich dabei das deutsche Sport- und Business-Institut und die RAA Mönchengladbach (Regionale Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien).

Mir ist es wichtig, Kindern und Jugendlichen frühzeitig die entscheidenden Werte im Leben wie z.B. Mut, Stärke und Respekt zu vermitteln. In meinem Camp geht es vorrangig darum, diese Werte über die Philosophie des Boxens zu vermitteln und zu bilden. Das ganze soll vor allem Spaß machen. Ich freue mich sehr über diese eigene Projekt, denn die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen macht mir wirklich viel Spaß. Leider gehen viele Werte mittlerweile im normalen Alltag verloren – das finde ich sehr, sehr schade.

Welche  positiven Effekte hat Boxen? Ein Wort an die Eltern.

Ich sage immer: Wenn man wirklich mal Wut im Bauch hat – Handschuhe anziehen, an den Sandsack stellen und abreagieren. Etwas Besseres gibt es gar nicht. Danach fühlt man sich besser, der Kopf ist frei und man reagiert sich nicht an anderen Leuten ab und provoziert Streit.

Boxen selbst hat ganz viel mit Köpfchen zu tun. Denn es geht nicht um schlagen und geschlagen werden, sondern darum, Treffer zu vermeiden. Da ist die richtige Taktik und ein gutes Auge gefragt und nicht nur rohe Gewalt.

Außerdem gibt es keine besseres Fitnesstraining als Boxen. Hier werden wirklich alle Muskelgruppen trainiert und gleichermaßen beansprucht.

Auf ihrer Homepage www.inamenzer.com umschreiben Sie Boxen mit „Fechten mit den Fäusten“ – was steckt dahinter?

Eigentlich das, was ich eben schon gesagt habe. Wer etwas von Boxen versteht, sieht, wer technisch sauber und ansehnlich boxt und wer nur prügelt. Ich will vorrangig mit meinem boxerischen Können überzeugen und kein Showboxen veranstalten. Boxen ist natürlich Show und eine harte Sportart, wer es allerdings richtig betreibt, weiß, dass es auch eine „Kunst“ ist – Boxen gehört raus aus der „Schmuddelecke“, weil es eine richtig schöne, anspruchsvolle Sportart ist.

Kleiner Tipp für angehende Boxer: Woran erkennt man heute eine gute Kampfsportschule?

Puh, ich weiß gar nicht, ob es so ein konkretes Erkennungsmerkmal gibt. Die Atmosphäre muss einfach stimmen. Die Leute, die Räumlichkeiten, gute Trainingsmöglichkeiten und natürlich gut ausgebildete und motivierende Trainer. Da hat aber jeder sicherlich unterschiedliche Prioritäten. Ich würde als Erstes gucken, ob die Duschen sauber sind (lacht)...

Interview: Anne Nyhuis, 9 / 2011


Zur Person Ina Menzer

Geboren: 10.11.1980 in Kasachstan
Größe: 1,65 Meter
Wohnorte: Mönchengladbach und Hamburg
Familienstand: verheiratet
Nationalität: deutsch