Das gemeinsame Ziel: Gesund bleiben!

Viele Krankenkassen unterstützen Mitglieder, die aktiv sind. Für welche Sportkurse es Zuschüsse gibt und wie man sie bekommt, erklären die Leiterin der Techniker Krankenkasse Landesvertretung Niedersachsen, Dr. Sabine Voermans, sowie der PR-Referent Frank Seiffert.

citysports.de: Als ich einen Schwangerschafts-Aqua-Kurs besucht habe, wies die Kursleiterin die Teilnehmenden am Ende daraufhin, die Kursbe- scheinigung bei der Krankenkasse einzureichen, um einen Teil der Kosten erstattet zu bekommen. Meine Krankenkasse hat sich nicht an den Kurskosten beteiligt. 

Seiffert: Nicht alle Kurse werden von den Krankenkassen bezuschusst. Um auf Nummer sicher zu gehen, ist es ratsam sich vorher bei der eigenen Krankenkasse zu informieren, ob der Kurs von ihr anerkannt ist. Die Kranken- kasse übernimmt dann einen bestimmten Zuschuss: Bei der TK liegt er bei 80 Prozent der Kursgebühr, maximal  75,- Euro. Zudem müssen die Präventionskurse aus den vier Bereichen Bewegung, Ernährung, Stressbe- wältigung/Entspannung oder Suchtprävention kommen. Zwei Kurse aus verschiedenen Bereichen werden pro Jahr gefördert, also bis zu 150,- Euro.

Eigentlich ganz einfach, ich suche mir einen Yoga-Kurs aus, informiere mich bei meiner Krankenkasse, ob der Kurs erstattet wird, bezahle ihn und am Ende hole ich mir das Geld von der Krankenkasse zurück.

Seiffert: Der Ablauf ist einfach. Entscheidend ist allerdings, dass die Kurse als Präventionskurse (nach § 20 Abs. 1 SGBV) anerkannt sind. Das ist eine Voraussetzung für die Krankenkassen, um den Kurs zu erstatten.

Dr. Sabine Voermans: Die Kursleiter benötigen eine entsprechende Aus- bildung, um einen Präventionskurs geben zu können. Einfach einen Yoga-Wochenendkurs belegen und dann Präventionskurse geben, reicht uns natürlich nicht aus. Bei Hatha-Yoga zum Beispiel verlangen wir eine Ausbildung von 500 Stunden. Wir legen sehr viel Wert auf Qualität. Die Kurse sollten außerdem über mehrere Wochen laufen. Ideal sind acht bis zehn Termine.

Gilt das für alle Krankenkassen?

Seiffert: Bei den Krankenkassen gibt es geringfügige Unterschiede.

Welche Kurse werden bei Ihnen größtenteils nachgefragt?

Dr. Voermans: Hauptsächlich sind es Bewegungs- und Entspannungskurse, wie Nordic-Walking, Rückenschule oder Yoga. Noch werden die Kurse von mehr Frauen als Männer genutzt – aber wir arbeiten daran, es zu ändern. Männer sind eher Einzelkämpfer. Deshalb bieten wir unseren persönlichen TK-Coach im Internet an. Mit ihm kann man Trainingszeiten, Gewicht und Trainingspläne erarbeiten.

Wen wollen Sie eigentlich mit dem Präventionsprogramm erreichen?

Dr. Voermans: Es gibt keine spezielle Zielgruppe. Wir wollen unsere Ver- sicherten in dem Bestreben unterstützen, etwas für ihre Gesundheit zu tun. Die Präventionsprogramme sollen ein niederschwelliges Angebot sein, einen ersten Schritt für die Gesundheit zu machen. Diejenigen, die wissen, dass sie was tun müssten und überlegen zu starten, erhalten durch diese Fördermaßnahme einen Ruck …

... weil man Geld für einen Sportkurs bekommt?

Dr. Voermans: Nein – es kann aber ein Anreiz sein, den ersten Schritt zu unternehmen. Viele Menschen möchten sich nicht sofort an ein Fitnessstudio oder Sportverein binden. Durch die Präventionskurse kann man erst einmal ausprobieren, ob das Angebot etwas für einen ist.

Kann denn jeder Versicherte einen Zuschuss beantragen?

Seiffert: Grundsätzlich ja. Die Präventionskurse richten sich jedoch an gesunde Menschen. Speziell für Kinderkurse gilt ein Mindestalter von sechs Jahren. Im Bereich Stressbewältigung müssen die Kinder mindestens acht Jahre sein.

Ein bisschen skeptisch bin ich schon, es klingt ein bisschen nach bezahlten Sportschnupperkursen.

Dr. Voermans: Aber wenn es gut läuft, meldet sich die Person vielleicht in einem festen Kurs an oder macht die Übungen zu Hause oder in einer privaten Gruppe weiter. Doch ganz gleich, wofür man sich entscheidet, es geht darum auch nach dem Kurs dabeizubleiben und den inneren "Schweinehund" immer wieder neu auszutricksen.

Und die Krankenkasse hilft dabei. Es gibt aber keine Garantie dafür, dass nach zehn Terminen das Mitglied am Ball bleibt. Was bringt letztendlich eine Kursteilnahme für die Krankenkasse und für den Versicherten wirklich?

Dr. Voermans: Es geht darum, das Gesundheitsbewusstsein zu ändern. Wir möchten die Versicherten an den Sport heranführen, sie auf den Weg bringen – danach müssen sie ihn selbständig weitergehen. Durch die Gruppen- dynamik in den Kursen ist man motiviert dabei zu bleiben. Unser Ziel ist: viel für die eigene Gesundheit zu tun.

Vielen Dank.

Interview: citysports.de, Anne Nyhuis, 10 / 2011

Interviewpartner

Dr. Sabine Voermans

Dr. Sabine Voermans ist Leiterin der Techniker Krankenkasse Landesvertretung in Nieder- sachsen. Frank Seiffert ist Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Techniker Krankenkasse Landesvertretung in Niedersachsen.

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Techniker Krankenkasse

Die Techniker Krankenkasse (TK) ist eine bundesweite Krankenkasse mit über 7 Millionen Versicherten. Sie tritt für eine qualitativ hochwertige gesundheitliche Versorgung ein, die sich stärker an den Patienten orientiert. 2,1 Mio TK-Versicherte haben im Jahr 2010 Präventionskurse nach Para- graph 20 (1) SGB V genutzt.