Der Sportverein – ein Modell der Zukunft?

Wie wird es mit den Sportanbietern in Deutschland weitergehen? Eine Deloitte-Befragung zeigt viel Optimismus bei Betreibern von Golfanlagen und Fitnessstudios. Was muss aber der Sportverein machen, um mitzuhalten? Ein Bericht von Philip Scupin.

Seit einiger Zeit schon sind kommerzielle Anbieter dabei, dem Vereinssport in Deutschland den Rang abzulaufen. Und das hat maßgeblich mit einem neuen Bewusstsein in der Bevölkerung zu tun: „Das Ich steht im Mittelpunkt und nicht das Wir“, bringt es die Vereinsstudie des Württembergischen Landessport- bundes auf den Punkt. Viele Anbieter haben diese Idee ver- innerlicht und fahren damit sehr gut. Die Sportvereine indes haben noch keine rechte Antwort gefunden. Sie stehen traditionell für Solidarität und Gemeinschaft - Werte, die scheinbar nicht mehr allzu viel bedeuten. Aber, wie kann ein Sport- verein weiterhin bestehen?

Gewinnung und Bindung von Ehrenamtlichen

Vieles hängt von der Zukunft des Ehrenamtes ab – doch Gratis-Manpower ist schon heute schwer zu finden. Der Sportentwicklungsbericht des Bundes- instituts für Sportwissenschaft (BISp) verzeichnet in seiner jüngsten Ausgabe die Gewinnung und Bindung von Ehrenamtlichen als eines der drängendsten Probleme der Vereine. Der Blick zurück zeigt zudem: Seit 2006 ist das frei- willige Engagement um rund 20 % geschrumpft. Mit solchen Schwierigkeiten haben Fitnessstudios, Freizeitanlagen und Privatsportschulen nicht zu kämpfen. Sehr wohl stehen aber auch sie vor großen Herausforderungen: Schließlich wollen hauptamtliche Mitarbeiter auch in Zeiten von Finanzkrise und Rezession bezahlt werden. Ein Vorteil für die Vereine? Eher nicht, denn bei den Klubs sind heute rund 240.000 bezahlte Stellen vorhanden – mehr als bei den Erwerbswirtschaftlichen.

Potenziale des Ehrenamtes nutzen

Über ein Für und Wider von bezahlter Beschäftigung in Sportvereinen lässt sich lange diskutieren, wichtig dürfte aber vor allem sein, dass die Klubs die (durchaus vorhandenen) Potenziale des Ehrenamtes nutzen. Laut „Generali-Engagementatlas 2009“ können sich 36 % der heute nicht ehrenamtlich tätigen Menschen in Deutschland vorstellen, in Zukunft ein unbezahltes Amt zu bekleiden. Hier anzusetzen, scheint mehr denn je gefordert. Das Ehrenamt spart nicht nur eine Menge Geld, es ist zudem wichtiger Bestandteil dessen, was der Sportverein seit jeher verkörpert: Die Solidargemeinschaft. Werte- wandel hin oder her: Dass Vereinsmitglieder zugleich Sportler und Funktions- träger, Nachfrager und Anbieter sind, ist ohne Zweifel noch immer positiv. denn sie haben Einblick in alle Bereiche.

Qualität zahlt sich aus

Sich darauf auszuruhen, ist allerdings nicht das Gebot der Stunde. Und Studien zeigen: Die wenigsten Vereine tun dies. Die Turngemeinde in Berlin 1848 (TiB), zum Beispiel, hat seit mittlerweile 7 Jahren ein eigenes Fitness- studio – neben dem normalen Betrieb. Etliche Nachahmer gibt es bereits. Diverse Klubs schwören auf sogenannte Qualitätsmanagementsysteme. Mittels Fragebögen können die Mitglieder hier ständig das Angebot ihres Vereins bewerten. So wird ein Beitrag zur internen Demokratie geleistet – und das mit einem Instrument aus der Wirtschaft.

Nachfrageorientiertes Angebot

Profitieren könnten die Vereine in Zukunft auch von ihrem reichhaltigen Angebot: Ob das potenzielle Mitglied nun Betätigung in einer Einzel- oder Teamsport sucht, im Gesundheits-, Breiten- oder Leistungssport aktiv werden will: Bei vielen Klubs kann es auf fast allen Feldern fündig werden. Doch auch hier gilt: Nachhorchen, was überhaupt gewünscht ist. Denn ein breites Angebotsspektrum führt nicht automatisch zu vollen Kursen. Ein Weg zu besserer Auslastung der Kapazitäten ist die Kooperation mit anderen Vereinen. Hier scheint überhaupt die Zukunft zu liegen. Kein Wunder, schließlich lassen sich Kosten sparen, etwa über die gemeinsame Nutzung von Sportstätten.

Sich öffnen, neue Modelle aufgreifen und akzeptieren, auch von der Kon- kurrenz lernen – so könnte das Schlagwort lauten. Einigen bereitet das verständlicherweise Magenschmerzen. Viele jedoch sind auf einem guten Weg.

Text: Philip Scupin, Student der medienakademie Hamburg, 8/2009, Foto: http://www.photocase.com/, Tobias Kraft

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