Hip Hop muss man verstehen!

„Hip Hop gehört zum Urban-Style. Hip Hop definiert sich nicht nur über Musik. Hip Hop wird untergliedert in Rap, Djung, Breakdance, Beatboxing und Graffiti. Hip Hop ist ein Lifestyle, künstlerisch, frei“, erklärt Hip Hop-Instructor Memo von ON STAGE. Foto: © Syda Productions / fotolia.com

citysports.de: Letzte Woche hat eine Jungs-Gruppe in der Hamburger-Fußgängerzone getanzt. Ehrlich gesagt, ich wusste nicht, ob es Hip Hop, Breakdance oder ein anderer Tanzstil war.

Memo: Breakdance hat mehr Power-Moves als Hip Hop. Typisch für Breakdance ist auf dem Kopf drehen sowie akrobatische Einlagen. Das Gegenteil zu Hip Hop ist der klassische Tanz. Dieser ist sehr geradlinig, akurat. Hip Hop ist lässig, ist frei. Hip Hopper zeigen ihre Gefühle durch tanzen. Heute bauen einige Hip Hop-Tänzerinnen klassische Elemente, wie die Pirouette, in die Choreographien ein, weil sie oft aus einem Ballet-Kurs kommen. Männer tanzen gern härtere Moves.

Selbst habe ich einige Tanzstile ausprobiert wie Zumba, Bokwa, Walzer, Samba. Was macht Hip Hop so besonders?

Die Urban-Kultur sollte man verstehen. Jede tänzerische Bewegung hat seinen Sinn, eine Bedeutung. Jede Choreographie erzählt über das Leben mit Höhen und Tiefen. Das Erzählte in der Musik wird interpretiert. Bei ON STAGE wird ganz speziell auf die Musik eingegangen. Mit der Bewegung wird die Musik visuell erweckt. Wir tanzen das Gesprochene oder auch einfach die Snare bzw. die Drums. Die Tänzer gehen sehr ins Detail. Der Finger, die Hand, der Arm oder einfach nur der Kopf bzw. der Brustkorb wird isoliert bewegt. Wer Hip Hop tanzt, sollte schon wissen, warum der Hip Hopper seinen Kopf schräg hält oder mit dem Kopf nickt.

Wer ist denn der typische Hip Hop-Tänzer, das sind doch meistens junge Leute, oder?


Das Hip Hop nur junge Leute tanzen, wird von der Gesellschaft vorgelebt. Ältere, die im Hip Hop-Kurs sind, interessiert die Etikette nicht, sie wollen einfach frei denken. Hip Hop ist bestimmte Kleidung, bestimmte Musik, bestimmte Grooves. Wir haben Teilnehmende im Kurs, die kommen im Anzug, ziehen sich um, tanzen Hip Hop und fahren danach im Anzug wieder zur Arbeit.

Apropos, Kleidung – was ist angesagt?


Das Thema weite Hosen ist komplett durch. Auch mit schrägen Mützen ist man ganz weit hinten. Hip Hopper tragen eher engere Hosen im Röhrenlook. Viele tragen Basketballschuhe, auch normale, feste Turnschuhe sowie Sneakers sind für den Tanz-Unterricht geeignet.

Braucht man eigentlich Tanz-Unterricht? Im Internet gibt es doch so viele Hip Hop-Lernvideos.


Viele Kids meinen, sie können die Moves. Gegoogelt und per Internet-Video angeeignet. Vielleicht können sie eine Choreographie zu einem Lied – aber den Inhalt haben sie nicht verstanden. Ein guter Instructor vermittelt auch die Hip Hop-Kultur. Jeder Move hat eine Geschichte. Ein guter Instructor kann neue Choreographien entwickeln, so sichert er den Teilnehmenden viele, schöne, abwechslungsreiche Unterrichtsstunden. Zudem hat er ein sehr gutes Taktgefühl und eine klare Unterrichts-Struktur.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Tänzerisches Aufwärmen mit Slides und Basic Moves, anschließend Stretching, Choreographien ohne Musik einüben, dann mit Musik, tänzerisches Cool Down.

Das hört sich doch ganz normal an, klingt einfach.

Die erste Stunde ist nicht leicht, man bekommt viele Eindrücke, die man erst einmal verarbeiten muss. Da sollte man sich als Neuling nicht abschrecken lassen. Erst mit der Zeit wird man entspannter. Man braucht einige Stunden, um Hip Hop verstanden, verinnerlicht zu haben. Das ist harte Arbeit, es aussehen zu lassen, als wäre es leicht. Selbst erkennt man den Erfolg erst, wenn wieder Anfänger im Kurs starten. Dann merkt man, dass man das Hip Hop-Konzept verstanden hat. Man sieht, was man bereits gelernt hat. Hip Hop ist eine Kunst. Wichtig ist, durchzuhalten.

Und, wann ist man ein sehr guter Hip Hopper?

Hip Hop muss man nicht perfekt können, aber verstehen!

Danke für das Gespräch.

Interview: citysports.de, Anne Nyhuis


Interviewpartner Memo

Memo, auch bekannt unter Mr. Momatic, ist Dozent für Hip Hop Nu Style am ON Stage Trainingscenter in Hamburg. Zudem hat er mit namhaften Künstlern wie No Angels sowie diversen Künstlern aus der TV-Branche wie DSDS, Popstars zusammen- gearbeitet. Memo hat bereits bei unzähligen Musikvideos/TV im Hintergrund getanzt oder für Sänger und Background-Tänzer Choreographien entwickelt.