Kurz ist relativ!

Nadine Rebel schreibt für das Pole Dance Magazin eine Kolumne rund um Pole Dance. citysports.de veröffentlicht in loser Reihenfolge die besten Auszüge zum Thema Polesport. Heute: Pole-Dance Kleidung. Foto: © Kypke Fotostudio

Obwohl wir Frauen im Training meist unter uns sind, muss ich doch das eine oder andere Mal an den Song von Fettes Brot „Bettina, pack’ deine Brüste ein.“ denken.

Funktionsbekleidung ist in den meisten Sportarten nicht mehr wegzudenken. Beim Laufsport würde es heute wohl kaum mehr jemandem einfallen in Jogginghosen aus Baumwolle an den Start zu gehen. Sport-BHs und Jazzpants, Yogahosen und Dancewear bekommt man mittlerweile an jeder Ecke. Bei funktioneller Pole-Bekleidung sieht es da noch ein wenig anders aus.

Definition „kurz“
Kurz ist relativ! Das wird mir immer wieder in den Schnupperstunden bewusst. Obwohl ich deutlich schreibe, dass die Hosen wirklich kurz sein müssen und nur eine wahre Hot-Pant geeignet ist (wenn es beispielsweise ans Klettern geht), tauchen die meisten Teilnehmer und Teilnehmerinnen in Radlerhosen oder ¾-Hosen auf. Spricht man die unterschiedliche Auslegung des Wortes „kurz“ an, dann folgt meist die Erklärung, dass man die Hose ja bei Bedarf auch hochkrempeln könne.

Das sieht aber nicht nur ziemlich bescheiden aus, es ist zudem auch gefährlich. Die hochgekrempelten Hosen halten meist nicht auf Dauer dort, wo sie halten sollten und machen sich just dann selbständig, wenn man den Halt wirklich braucht.

Um den Neulingen in diesem Sport eine Vorstellung zu geben, was ich mit „kurz“ meine, spreche ich im Vorfeld dann oft auch von einer GUT SITZENDEN Bikinihose. Aber auch diese Erklärung greift nicht wirklich, denn wenn nun das Missverständnis des Wortes „kurz“ aus dem Weg geräumt ist, dann folgt darauf das neue Problem der unterschiedlichen Sichtweise der Erklärung „gut sitzend.“

Geeignete und ungeeignete Panties
Dass man sich für eine Schnupperstunde nicht komplett neu einkleidet, ist mir vollkommen klar, spätestens aber, wenn man sich zu einer Kursteilnahme entschlossen hat, sollte man sich Gedanken machen, welche Höschen wirklich geeignet sind.

Die meisten Mädels kaufen sich zunächst einmal gängige Shorts, die man fast überall bekommt und die auch nicht teuer sind. So lange man diese in der Umkleidekabine im Stehen betrachtet, sitzen diese Shorts (meist auch aus Baumwolle oder Mischgewebe) auch recht gut. Im Training bemerkt man dann, dass sie (doch) rutschen und so immer mehr vom Po freigelegt wird. Auch noch kein Problem, ein schöner Hintern kann auch entzücken.

Kritisch wird es allerdings, wenn das „Untendrunter“ (sofern überhaupt vorhanden!) zu knapp ist. Die Baumwollshorts rutschen auch im Schrittbereich zusammen und manchmal bekomme ich bei der Hilfestellung für einen Elbow-Stand auf diese Weise ungefragt so viel Einblicke und Informationen, dass ich nicht weiß, wem es peinlicher sein sollte: Mir oder der trainierenden Person. Wie gesagt, so lange man unter den Shorts noch eine Unterhose trägt, ist das gar kein Problem....

Shorts bei Männern
Die Doppelhosenpflicht sollte im Übrigen auch bei Männern eine Selbstverständlichkeit sein. Microfaser-Retro-Shorts sehen zwar gut aus, aber wenn man im Training dann sehen kann, dass sich der Herr sehr über den Anblick der hübschen Mädels freut, dann ist das doch der Information zu viel und grenzt in gewisser Weise an sexuelle Belästigung. Gott sei Dank ist mir das in meinen Kursen noch nie untergekommen, wohl aber bei Workshops.

Sehr peinlich. Vor allem, wenn man dann als Studioinhaberin auf diese herausragenden Tatsachen aufmerksam gemacht wird. Ich war wirklich überfragt, wie ich damit umgehen sollte.

Falsche Scham
Apropos „schämen“. Es gibt auch die Personen, die auf der anderen Seite des Pferdes herunterzufallen drohen. Ich erinnere mich an eine Kurseinheit. Es ging um die ersten Pole-Tricks, die freie Bauchhaut erfordern, damit man wirklich einen guten Grip aufbauen kann. Insofern ist den Lesern und Leserinnen klar, dass es sich um einen Fortgeschrittenen-Kurs handelte. Meine Ansage lautete also, dass jetzt bitte die Tops ausgezogen werden sollten, weil wir den freien Bauch benötigen würden.

Auf einmal sprangen alle Mädels in die Umkleide. Zunächst dachte ich mir, ich hätte sie wohl sehr gut „erzogen“, weil keine ihr Top einfach auf den Boden werfen wollte, sondern wohl alle diese in die Umkleide räumen würden. Weit gefehlt. Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen die Mädels wieder: Im BH mit kunstvoll verknoteten Tops, mit Tops die unter dem BH durchgezogen worden sind und anderen Kuriositäten.

Ich kam nicht umhin diese Beobachtungen anzusprechen und fragte, warum sie denn kein normales Sporttop unter ihrem Top angezogen hätten, immerhin würden wir hier ja auch Sport machen. Die Antwort war grandios: „Das haben wir ja nicht gewusst!“

Gefahren bei schlecht sitzender Kleidung
Nur nochmals kurz und in voller Deutlichkeit. Schlecht sitzende Kleidung birgt nicht nur die Gefahr, dass Panties zwischen die Lippen rutschen (ich muss es so deutlich formulieren!) oder der Busen bei Überkopf-Figuren der Schwerkraft folgt und sich aus dem Top befreit, nein: Schlecht sitzende Kleidung kann sich bei schwierigen Figuren immer mal wieder selbständig machen und genau dorthin wieder zurückfallen, wo man eigentlich Haut braucht, um einen guten Grip aufzubauen. Das ist gefährlich und kaum abzuwenden.

Wenn der Busen dem Gesicht „Hallo“ sagt, weil das Top nicht richtig hält, dann ist das eine Sache, wenn man dann allerdings – fast instinktiv – die Hände löst, um zu versuchen die Brüste überkopfhängend wieder in das Top zu verpacken, dann bekomme ich fast einen Herzinfarkt. Geeignete Kleidung ist eine Sicherheitsmaßnahme! Auf dem Bau kann man auch nicht mit Flip-Flops arbeiten.

No-Gos
Den Vogel abgeschossen hat tatsächlich einmal eine Gruppe bei einem Junggesellinnenabschied. Nachdem ich ihnen erklärt hatte, dass Leggings und Jeans-Miniröcke KEINE geeignete Trainingskleidung sind und dass sie etwas benötigen würden, worin sie sich auch bewegen könnten, sah ich in ratlose Gesichter.

(Der Vollständigkeit halber erwähne ich, dass auch ein Junggesellinnenabschied im VORFELD über die geeignete Kleidung informiert wird). Es wurde dann versucht, meiner Bitte nach geeigneter Kleidung in welcher man sich frei bewegen kann dahingehend nachzukommen, dass ich dann einige der Teilnehmerinnen im BH und Stringtanga und Seidenstrumpfhose im Kurs stehen hatte. Nun – nicht „hatte“ – sondern „gehabt hätte“, denn das ist ein absolutes NO-GO, dann lieber Leggings und wir verzichten auf alle Klettermoves....

Anforderungen zusammengefasst

Was muss geeignete Poledance-Bekleidung bieten? Guter Sitz und genügend Stoff im Schrittbereich, so dass auch bei Splits nicht „dazwischenrutschen“ kann. Sie darf nicht einengen und muss dort Haut freigeben, wo wir sie für den Halt benötigen. Das Material sollte atmungsaktiv sein und Schweiß schnell an die Oberfläche transportieren. Das Material muss schnelltrocknend sein. Die Höschen müssen auch an den Pobacken so gut sitzen, dann man nicht dauern „nachzupfeln“ muss. Im Top sollten keine Bügel oder Metallstäbe verarbeitet sein, denn diese bohren sich allzu gerne in die Haut überhaupt sollte auf Metall verzichtet werden, denn es macht die Pole mit der Zeit kaputt.

Fazit

Kleider machen Leute! Nicht nur im Business, sondern auch beim Sport! Und wenn die Konzentration voll und ganz auf dem Poletrick liegen kann, weil man sich keine Gedanken mehr um die Kleidung machen muss, dann stellen sich unter Umständen auch die Trainingserfolge schneller ein!

Hier geht es zum Orginalartikel im Pole Art Magazine.

Autorin Nadine Rebel

Nadine Rebel studierte Soziologie, Psychologie und Pädagogik und gründete 2000 die Unternehmens- beratung Rebel-Management-Training. Sie schreibt unter anderem die Kolumne für das Pole Art Magazine und Fachartikel zur Trainingspraxis.


Cray Pole Augsburg

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