Macht Spaß und gibt Mut!

"Die drei Grundpfeiler des Pole Dances sind Kraft, Flexibilität und Technik", erklärt Nele Sehrt vom Aerial Dance Center. Sie hat das Polebatics-Trainingskonzept entworfen und setzt sich für Pole Dance als Tanzakrobatik ein. Foto: © Aerial Dance Center

citysports.de: Wie bist du eigentlich zum Pole Dance-Sport gekommen?

Nele Sehrt: Ich habe mich zur staatlich geprüften Tanzpädagogin ausbilden lassen, viel mit Striptease-Tänzerinnen gearbeitet und auch selbst 10 Jahre auf der Bühne gestanden. Zudem hat mir meine frühe Erfahrung in Ballett und Kunstturnen geholfen, mich angstfrei an solche akrobatischen Bewegungen zu wagen. Seit 2001 unterrichte ich andere Menschen. Dabei habe ich schnell gemerkt, dass ich ein Konzept brauche, welches methodisch fundiert ist. Nach weiteren Ausbildungen zum Personal Trainer und Fitness Trainer habe ich das Polebatics-Konzept entworfen. Es beinhaltet u.a. fundierte Trainerausbildungen im deutschsprachigen Bereich.

Ist der Name Pole-Sport überhaupt geschützt? Oder kann jeder Pole Dance bzw. Pole Fitness anbieten?

Nein, der Begriff ist nicht geschützt und ja, grundsätzlich kann jeder Pole Dance unterrichten oder auch ein eigenes Studio eröffnen. Das hat insofern Nachteile, als dass sich insbesondere solche Menschen für Pole interessieren, die vorher eher wenig Erfahrung im tanzakrobatischen Bereich haben. Ein Trainer sollte sich schon sportmedizinisch auskennen, damit u.a. Verletzungen vermieden werden.

Dir haben auch deine Akrobatik-Erfahrungen geholfen... aber schreckt gerade das nicht viele von der Sportart ab?

Schrecken mehr die akrobatischen Anforderungen ab oder vielleicht doch noch das Image, welches Pole Dance anhaftet? Deshalb ist Aufklärung so wichtig. Inzwischen ist den meisten Menschen klar, wie akrobatisch Pole Dance sein kann. Denn Pole Dance hat sich in den letzten Jahren – auch durch den Einfluss der Luft- und Tanzakrobatik – unglaublich weiterentwickelt.

... hinter der Sportart scheint viel mehr zu stecken, oder?

Oh ja. Pole Dance hat u.a. viel mit Physik zu tun. Die drei Grundpfeiler des Pole Dances sind Kraft, Flexibilität und Technik: Je mehr Kraft ich habe, desto schneller lerne ich die Tricks. Je flexibler ich bin, desto eleganter sehen sie aus. Und je mehr ich die technische Ausführung verstanden habe, desto gesundheitsschonender kann ich trainieren. Da die Stange vertikal im Raum steht, muss man sich bei jedem Trick Gedanken darüber machen, wo der Zug- und Presspunkt ist, wie man sich an die Stange hebeln kann, wann ich spätestens meine Muskeln einsetzen muss und wie ich mein Gewicht verlagern muss, um in der Balance zu sein. Das ist sehr spannend.

Aber warum muss man dann kurze, enge Kleidung tragen?

Im Trainingsbereich und besonders in den unteren Levels ist es noch nicht so wichtig, dass alle möglichen Presspoints (also die Punkte, an denen man sich mit dem Körper an die Stange klemmt) nicht von der Kleidung verdeckt sind. Je schwieriger die Anforderungen, desto einfacher wird die Ausführung, wenn bestimmte gelenksnahe Körperteile nicht von Kleidung bedeckt sind, damit man nicht unnötig rutscht oder Kraft einsetzen muss. Deshalb gewöhnt sich ein Pole Schüler auch erst mit der Zeit daran, dass weniger manchmal mehr ist.

In Pole Dance-Kursen sind sowohl Frauen als auch Männer präsent, kann man Pole Dance auch als Paar erlernen?

Theoretisch ja, praktisch eher nicht. Denn Männer haben grundsätzlich mehr Kraft und können deshalb früher mit kraftvollen Tricks beginnen, als Frauen. Dafür verfügen Frauen meist über eine bessere Flexibilität, welche von Männern erst hart erarbeitet werden muss. Deshalb sollte ein sinnvoller Lehrplan unterschiedliche Konzepte für das jeweilige Geschlecht berücksichtigen.

Was ist der Hauptantrieb, warum Frauen bzw. Männer in dein Studio kommen?

Manche denken immer noch, dass Frauen Pole trainieren, um Männern zu gefallen oder dass nur solche diese Trainingsform trainieren, die auch selbst im Rotlichtmilieu arbeiten. Dem ist nicht so. Für die meisten ist es eine ideale Mischung aus Kraft- & Flexibilitätstraining in Kombination mit Tanz zur Musik, welche es vorher in dieser Form noch nicht gegeben hat. Doch auch der Wunsch, etwas nur für sich zu machen, kann ein machtvoller Antrieb sein. Männer finden Pole interessanter, seit es so akrobatisch geworden ist. Das weckt den Ehrgeiz, es selbst einmal auszuprobieren.

Und woran erkenne ich dann ein gutes Studio?


Ein erster Anhaltspunkt sollte eine fundierte Ausbildung des Trainers sein. Begriffe wie ‚Trainer‘ oder ‚Tänzer‘ sind jedoch ebenfalls nicht geschützt – solange kein Abschluss erwähnt wird, haben deshalb solche Begriffe keine Bedeutung. Dies ist ähnlich wie ‚Studium der Medizin‘ – ohne einen abschließenden Titel bedeutet das lediglich, dass man für einen begrenzten Zeitraum Vorlesungen besucht hat. Zudem kann es sehr hilfreich sein, dass der Schüler hinterfragt, ob Anatomie & Physiologie Teil der Ausbildung gewesen ist und dass dem Unterricht ein gewisser methodischer Lehrplan zugrunde liegt. Der zweite Aspekt ist die Erfahrung des Trainers, welche meist auf vergangene Verletzungen basieren, denn häufig erst dann wird das eigene Training hinterfragt.

Wie oft muss ich zu euch kommen, damit es einigermaßen akzeptabel aussieht?

Das ist abhängig von den Vorerfahrungen. Pole Dance trainiert sowohl die Kraft, als auch die Flexibilität. Das Verstehen und die Umsetzung der technischen Ausführung trägt wesentlich dazu bei, dass ein Schüler schneller vorankommt. Der zweite Aspekt ist die Intensität, mit der ich mich mit der Stangenakrobatik befasse: Trainiere ich ein Mal pro Woche oder mehrere Male? In jedem Fall kann man schon nach einigen Wochen erste Tricks sauber und elegant ausführen und nach ein bis zwei Jahren kann das schon sehr schön aussehen. Die Frage ist, ob man leistungsorientiert ist oder sich mehr an dem Tanz und den Übergängen erfreut.

Wichtig ist, dass das Training einem Spaß macht und man die Sachen, die man lernt, auch umsetzen kann. Ohne ein solches Erfolgserlebnis vergeht einem schnell die Lust. Deshalb ist ein methodischer Aufbau von Trainingsstunden so wichtig. Pole Training soll einem Mut machen!

Vielen Dank für das Interview.

Interview: citysports.de, Anne Nyhuis

Interviewpartnerin


Nele Sehrt

Nele Sehrt ist Dipl.-Psychologin, systemische Sexual- und Paartherapeutin sowie Körpertherapeutin. Weiterhin ist Nele Sehrt als Tanztherapeutin, Dozentin für Tanzartistik und Tanzpsychologie sowie als Tanzpädagogin (Staatsexamen) im eigenen Tanzstudio Aerial Dance Center in Hamburg tätig.


Pole Dance-Anbieter



Aerial Dance Center 

Das Aerial Dance Center bietet Ihnen pro- fessionelles Training auf höchstem Niveau. Wir trainieren Sie ausschließlich in kleinen Gruppen, ohne Leistungsdruck aber mit dem größtmöglichen Lernerfolg.

Kontaktdaten und alle weiteren Informationen finden sich auf der Detailseite des citysports-Mitglieds Aerial Dance Center.


youtube-Video: Poledance - Heißer Stangentanz