Von außen kommt die Musik!

Und der Körper antwortet von innen. Christiane Meyer-Rogge-Turner, Schulleiterin der Lola Rogge Schule in Hamburg, erzählt über Tanzangebote für Kinder und worauf Eltern achten sollten.

citysports.de: Sobald Kinder Musik hören, tanzen und hüpfen sie.

Christiane Meyer-Rogge-Turner: Bewegung und Musik gehören zusammen. Es kommt nicht darauf an bestimmte Figuren zu können. Kinder haben einfach Freude sich zur Musik zu bewegen. Das ist ein Einklang: von außen kommt die Musik, der Körper antwortet von innen. Dieser Dialog macht Tanzen aus. Anders als im normalen Sport. Viele Sportarten fördern den Ehrgeiz, die Konkurrenz untereinander.

Sei es Karate, Judo, Kinderturnen, Fußball etc. – die  3- bis 10-Jährigen werden gut umworben – warum sollten Eltern ihre Kinder zum Tanzunterricht bringen?

Wer sich früh für eine Sportart entscheidet, bleibt oft dabei. Das ist dann später besonders bei Teenagern in der Schule wichtig. Der Tanz gibt Ihnen Selbstsicherheit und einen Ausgleich.

Gilt das auch für Jungs?

An diese Gruppe zu kommen, ist schwierig. HipHop ist eine gute Brücke zu den 9-/10-Jährigen. Deswegen bieten wir den Jungen Hiphop-Unterricht an.

Lernen die Kinder in der Tänzerischen Früherziehung schon Tanzschritte?

Im Kleinkindesalter werden eher erste auch choreographisch wichtige Ordnungen spielerisch durchgesetzt: Im Kreis, zu Zweit, alle auf dem Boden sitzen, gleichzeitig wieder aufstehen – damit hat man schon gut zu tun. Viele Kinder können heute nicht mehr Rückwärtsgehen. Es ist aber wissenschaftlich bewiesen, wer sehr gut rückwärtsgehen kann, der kann auch gut rechnen. Tanzen fördert die geistige Entwicklung, den Bezug zum eigenen Körper und die Kinder lernen die vielerlei Musik kennen.

Die typischen CD´s im Regal von Eltern sind Rolf Zuckowski, Volker Rosin.

Kinderlieder sind nicht schlecht, sie sind rhythmisch und haben Inhalt. Die Geschichten können Kinder im musikalischen Rollenspiel nachahmen. Gerade dieses Zusammenspiel ist wichtig für die Tanzentwicklung. Es geht darum, sich in die Musik hinein zu fühlen und eine Figur zu gestalten. Das sind einfach magische Jahre, wo ein Kind alles ist. Das sollte man sich auch als Künstler ein Leben lang bewahren. Ein Kind soll aber auch nicht nur denken, dass es eine Blume ist, sondern  überlegen, wie die Blume aussieht. Steht sie auf einem Bein, schief oder gerade?

Was spielen die Kinder von heute? Ihre Tanzschule gibt es schon seit über 85 Jahren. Sind die Kinder von heute anders?

Eine Waschmaschine im Schleudergang, Kaffeemaschine, Fahrstuhl - heute müssen sich die Tanzpädagogen mehr technische Bilder nutzen. Diese Dinge sind den Kindern vertraut.

Und natürliche BiIder?

Es gibt immer mehr Kinder, die haben noch nicht einmal eine echte Kuh gesehen.

Und eine eigene, coole Sprache entwickelt …

Ja, die Sprache der Tanzlehrer ist angepasst. Früher war die Autorität eines Lehrers selbstverständlich. Heute lernen die Kinder von der Authentizität. Die Lehrerin muss persönlich, ehrlich rüberkommen. Die Kinder merken sofort, wenn jemand nicht seine wahre Persönlichkeit zeigt. In unserer Berufsausbildung legen wir auf die Persönlichkeitsentfaltung viel Wert. Das ist mir ein großes Anliegen, dass sich Lehrer nicht verstellen und jemanden kopieren, sondern sie selbst sind.

Wenn Kinder früh mit Tanzen anfangen sollen, wie finden Eltern das passende Tanz-Angebot? Es gibt so viele Richtungen wie Ballett, kreativer Kindertanz, HipHop, Bauchtanz und vieles mehr.

Die Eltern sollen finden, was das Kind glücklich macht. Am Besten eine kostenlose Probestunde nutzen und sich wirklich die Mühe machen, sich unterschiedliche Kurse und Anbieter anzuschauen.

Sie bieten neben den Kindertanzkursen auch Tanzaufführungen wie „Momo“ oder „Ronja, die Räubertochter“ an.

Mit den Großen zusammen auf der Bühne stehen. Die Älteren tanzen die Hauptrollen, die Kinder die Nebenrollen oder Landschaft u. ä. Danach wollen die Kinder auch wie Ronja, die Räubertochter tanzen können. Ohne viele Worte streut man mit Tanzaufführungen Motivation und Anspruch.

Was ist noch wichtig für Kinder und Eltern, damit sie nicht so schnell wieder die Sportart wechseln?

Die Rundum-Betreuung ist wichtig. Wenn eine Mutter nicht rechtzeitig das Kind abholen kann, stehen bei uns immer Betreuer zur Verfügung. Auch Tanzunterricht mit Live-Musik am Klavier mögen Kinder gern. Zudem muss ein Lehrer gut mit Kindern umgehen können, ein guter Tänzer sein und gut demonstrieren können. Ein schönes, korrektes Vormachen ist wichtig. Die Kinder können es zwar nicht gleich nachmachen, prägen sich aber das Bild auf Dauer ein.

Was hält noch ein Leben lang?

Tanzen ist ein guter Begleiter des Menschen. Mit Tanzen findet man immer wieder eine kleine Oase. Ich meine damit auch, dass durch die Tanzimprovisation die Kreativität geschult wird. Im Alter, oder beim Altern, kommt man dann mit schwierigen Situationen besser klar. Durch den Austausch der Tanzschüler untereinander bereichert man sich gegenseitig und erkennt, dass es immer verschiedene Lösungswege gibt. Die Kinder werden auch beweglicher und entdecken die Freude an der Musik für ihr ganzes Leben.

Interview: Anne Nyhuis, citysports.de, 03 / 2012

Interviewpartnerin

Christiane Meyer-Rogge-Turner

Seit 1977 leitet Christiane Meyer-Rogge-Turner die Lola Rogge Schule in Hamburg. Ihre Mutter gründete sie 1927 mit dem Schwerpunkt
Ausdruckstanz. Foto: Hervé Hubert

Lola Rogge Schule

Lola Rogge Schule

Die Lola Rogge Schule ist neben einer Berufsfachschule auch eine Schule für Tanz und Bewegung, an der jede/r Unterricht in Tanz und Tänzerischer Gymnastik nehmen kann. 

Kontaktdaten und alle weiteren Informationen finden sich auf der Detailseite des citysports-Mitglieds Lola Rogge Schule.

Lola Rogge Schule-Video