Wie gesund lebt Deutschland?

Gut: Weniger Tabak und Alkohol. Schlecht: weniger Bewegung, mehr Übergewicht. Viele Deutsche leben ungesund, vor allem in jungen und mittleren Jahren. citysports.de präsentiert die Ergebnisse des DKV-Reports. Foto: photocase.de / thesweetg

Zum zweiten Mal hat das Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthoch- schule Köln im Auftrag der DKV Deutsche Krankenversicherung die Menschen nach ihrem Gesundheitsverhalten gefragt. In einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK gaben 3.032 Befragte Auskunft über sich und ihren Alltag: wie viel sie sich bewegen, was sie essen, wie gestresst sie sind und wie sie mit Alkohol und Zigaretten umgehen. Neben diesen fünf Gesundheitsbereichen erfragte der DKV-Report als zusätzlichen Schwerpunkt diesmal die psychische Ausgeglichenheit und das Schlafver- halten der Menschen.

Gut: Weniger Tabak- und Alkoholkonsum
Die Ergebnisse der Befragung zeigen helle und dunkle Seiten beim Gesundheitsverhalten der Deutschen. Eine gute Entwicklung zeigt sich bei Tabak und Alkohol: Die Zahl der Raucher ist gegenüber dem DKV-Report 2010 gesunken (von 25 auf 22 Prozent), ebenfalls die Zahl der Menschen mit ungesundem Alkoholkonsum (von 19 auf 16 Prozent).

Schlecht: Wenig Bewegung und Stress
In den anderen Gesundheitsbereichen gibt es aber keine Verbesserung: Wie in der Umfrage 2010 ernährt sich jeder Zweite nicht ausreichend abwechs- lungsreich, jeder Zweite empfindet ungesunden Stress, und die körperliche Aktivität ist gegenüber dem DKV-Report 2010 sogar gesunken. Die wenigsten Menschen mit gutem Gesundheitsverhalten finden sich in den mittleren Altersgruppen, die meisten im höheren Alter.

Übergewicht steigt, Problembewusstsein auch
Der Anteil der Menschen, die gemäß ihrer eigenen Angaben übergewichtig sind, ist von 44 auf 46 Prozent gestiegen. Gleichzeitig halten inzwischen 79 Prozent der Befragten (DKV-Report 2010: 65 Prozent) Übergewicht für „ein großes gesellschaftliches Problem“. 74 Prozent sprechen sich für ein Ampelsystem zur Kennzeichnung gesunder und ungesunder Lebensmittel aus.

AIDS-Kampagne als Vorbild
„Übergewicht und Bewegungsmangel schaden bei immer mehr Menschen
der Gesundheit. Sie führen etwa zu Herz- Kreislauferkrankungen, Diabetes und Rückenschmerzen. Entsprechend steigen die Kosten im Gesundheits- wesen“, sagt Clemens Muth, Vorstandsvorsitzender der DKV. „Jeder von uns kennt die AIDS-Kampagne mit der klaren Werbung für Kondome. Diese Kampagne wirkt. Die Aufklärung gegen Übergewicht und Bewegungsmangel braucht gesellschaftlich den gleichen Stellenwert wie die AIDS-Prävention. Denn auch hier kann durch Verhaltensänderungen die weitere Ausbreitung wirksam begrenzt werden.“

Zahl der Aktiven sinkt
Die Mindestempfehlung der Weltgesundheitsorganisation von 150 Minuten moderater körperlicher Aktivität pro Woche erreichen 54 Prozent der Befragten, 2010 waren es noch 60 Prozent. Die Zahl der Menschen, die ihrem Körper eine ausreichende Menge an Bewegung zukommen lassen, ist also gegenüber dem DKV-Report 2010 weiter gesunken. Die deutlichste Bewegungsarmut zeigt sich in den mittleren Altersgruppen: Bei den 30- bis 45-Jährigen bewegen sich nur 50 Prozent der Menschen ausreichend. Fast dreißig Prozent aller Befragten gaben an, in ihrer Freizeit überhaupt nicht körperlich aktiv zu sein.

Junge sitzen am meisten
„Wir fahren im Auto, arbeiten am Computer, und in der Freizeit steigt unsere Mediennutzung. Während wir uns dann in sozialen Netzwerken austoben, bleibt der Körper passiv“, sagt der wissenschaftliche Leiter des DKV-Reports, Professor Ingo Froböse vom Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln. Dieses Verhalten spiegelt sich auch bei den Sitzzeiten der Befragten. Die längste Sitzzeit, nämlich durchschnittlich sechs Stunden pro Tag, wird von den jüngsten Teilnehmern der Umfrage angegeben, von den 18- bis 29-Jährigen. Interessanterweise bewegen sich übergewichtige Menschen gar nicht so viel weniger als der Durchschnitt. Erst bei einem krankhaften Übergewicht (Adipositas) sind stärkere Abweichungen im Gesundheitsverhalten zu sehen. „Zu wenig Bewegung ist zwar für jeden gesundheitsschädlich, macht aber nicht jeden dick“, sagt Froböse.

Psychische Stabilität und guter Schlaf bei Gutverdienern
In dem zusätzlich erfragten Schwerpunkt Psyche und Schlaf beantworteten die Teilnehmer Fragen zu ihrer Schlafqualität, ihrer inneren Ausgeglichenheit und zur Vitalität, also dem inneren Gefühl von Kraft und Schwung. Jeder fünfte Befragte gilt demnach als nicht ausgeglichen und zeigt Anzeichen von Antriebslosigkeit und depressiver Verstimmung. Die Zahl der Betroffenen wächst mit dem Körpergewicht und sinkt bei höherem Bildungsstatus und höherem Einkommen. Je höher das Einkommen, desto vitaler fühlen sich die Menschen. Bei mehr als 4.000 Euro Haushaltsnettoeinkommen pro Monat erreicht das Vitalitätsgefühl die höchsten Werte. Bei den Gutverdienern und den Menschen mit hohem Bildungsabschluss finden sich auch die meisten Befragten mit einem guten Schlaf.

Große Unterschiede bei älteren Menschen
Bei den älteren Menschen leidet ein größerer Anteil (29 Prozent) unter depressiven Verstimmungen. Der Schlaf wird bei vielen über 65-Jährigen schlechter. Fünf Prozent dieser Altersgruppe nimmt mindestens dreimal pro Woche Schlafmittel, was auf eine Suchtgefährdung hindeutet. Gleichzeitig fühlt sich aber fast die Hälfte der Älteren vital und energiegeladen – das sind anteilig mehr Menschen als in allen anderen Altersklassen.

Quelle: DKV-Report 2012, 10 / 2012