Gute Reitschulen haben zufriedene Pferde!

Ihr ganzes Leben dreht sich um Pferde: Petra Kronwitter, Turnierreiterin, Reittrainerin, Pferdeausbilderin sowie Pächterin der Reitschule SportScheck in München gibt Tipps rund um das Reiten.

citysports.de: Wann saßen Sie das erste Mal auf dem Pferd?

Petra Kronwitter: Sehr früh. Mein Vater ist Pferdewirtschaftsmeister und hat mich schon als Baby oft mit aufs Pferd genommen. Im Alter von 6 Jahren habe ich schon die größten Schulpferde geritten. Als ich 8 Jahre alt war, bekam ich von meinen Eltern mein erstes, eigenes Pferd zu Weihnachten geschenkt.

Mein Sohn saß mit drei Jahren im Sattel, er hatte Spaß und ich die Schweißperlen auf der Stirn …

Wir bieten Bambini-Reitstunden an. Das ist kindgerechter, spielerischer Reit- unterricht. Die Eltern sind dabei und führen das Pferd. Der theoretische Unter- richt ist für Eltern und Kinder gleichermaßen ausgelegt, damit die Kinder ihre ersten Erfahrungen mit dem Lebewesen Pferd machen können und die Eltern den sicheren, korrekten Umgang mit dem Pony erlernen.

Ab wie viel Jahren kann man Reitunterricht nehmen?

Das kommt auf das Kind an. Wenn es interessiert und fasziniert vom Reitsport ist, kann es bereits mit 4 Jahren auf kleinen, braven Ponys starten. Man darf die Kinder jedoch nicht überfordern, in diesem Alter sind die Kinder noch nicht in der Lage ganz selbstständig zu reiten. Deshalb sind bei den Bambini- Reitstunden auch stets die Eltern dabei. Grundsätzlich ist 5 Jahre ein gutes Einstiegsalter.

Und ab wann ist man zu alt?

Nach oben gibt es keine Altersgrenze. Wir haben immer wieder Reitschüler, die bereits weit über 40 Jahre sind und mit dem Reiten beginnen. Mit 75 Jahren ist bei uns ein Bandscheibenprofessor aktiv. Sein Motto lautet: Schritt reiten ist gut für den Rücken, Traben für den Kreislauf und Galopp für die Seele. Er sieht das Reiten als Gesundheitssport.

Reiten wirkt für mich als Joggerin wie Relaxen, was wird denn bean- sprucht?

Man sitzt gemütlich auf dem Pferd und braucht nicht laufen … bei den Profis sieht es zwar so aus, als würde das Pferd alles alleine machen. Das ist aber nicht so. Reiten ist ein Ganzkörpersport. Es gibt kaum eine Muskelgruppe die beim Reiten nicht beansprucht wird. Man benötigt nicht nur die entsprechende Kraft und Körperspannung, sondern braucht auch eine gute Kondition. Das wird meistens unterschätzt.

Kann man Reiten an einem Wochenende lernen?

Das geht leider nicht, egal wie sportlich oder talentiert sie sind. Reiten zu lernen erfordert viel Geduld und Körperbeherrschung. Aber es macht un- heimlich Spaß, so dass hier der Weg das Ziel ist.

Pferd und Reiter sollen eine Einheit bilden – manchmal geht das Pferd aber dann doch mit einem durch …

Reitpferde sind gut ausgebildet und gehen im Allgemeinen nicht durch. Wichtig ist aber, dass Pferd und Reiter zusammenpassen. Da sind immer zwei Charaktere, die aufeinander treffen. Zum Beispiel passt auf ein großes Pferd nicht unbedingt ein großer, schwerer Mann. Vielleicht kann ein kleines Mädchen das Pferd besser reiten, weil es ein besseres Einfühlungsvermögen hat. Ich bin immer wieder erstaunt welche Pferd–Reiter-Paare sich in meiner Reitschule zusammen finden.

Klassisch ist das Bild, Reiter sitzt auf dem Sattel, Pferd bleibt stur stehen, was nun?

Pferde sind Schlitzohren, sie testen ihren Reiter und das bereits schon vor dem Aufsitzen. Nachdem ich seit Jahren mit meinen Schulpferden zusam- menarbeite, werde ich von ihnen als ranghöheres Wesen akzeptiert und es genügt meistens ein  leises „Marsch“ bzw. ein Zungenschnalzen von mir und das Pferd setzt sich in Bewegung. Es ist auch sehr wichtig, dass man den Reitschülern die richtige Reittechnik vermittelt.

Was benötigt man zum Reiten?

Eine Reitkappe ist Pflicht, eine Schutzweste empfehle ich. Man kann mit Jeans und Wanderstiefel starten, besser ist aber eine spezielle Reitkleidung. Eine Einsteiger-Reitkappe gibt es ab 35,- Euro, einfache Reitstiefel kosten 30,- Euro und eine kleine Gerte bekommt man für 10,- Euro.

Ich dachte Reiten wäre teuer …

Reiten ist nicht teuer. Eine Bambini-Gruppenstunde kostet 20,- Euro, Er- wachsene bezahlen 25,- Euro für 60 Minuten Gruppenunterricht. Wir bieten auch 10-er Karten zu günstigen Konditionen an. Die Preise ähneln dem des Tennisunterrichtes.

Damit man gut Reiten lernt, sollte man Reitstunden nehmen, woran erkenne ich eine gute Reitschule?

Hingehen und ein gutes Gefühl haben. Schauen Sie ruhig einmal bei einer Reitstunde zu. Der Reitlehrer sollte auch im Gruppenunterricht individuell auf jeden einzelnen Schüler eingehen – denn jeder Schüler hat eine andere Schwäche. Und ganz wichtig: Die Reitpferde anschauen. Die Tiere haben eine starke Mimik und deshalb verrät ihr Gesichtsausdruck ob sie zufrieden sind und sich wohlfühlen.

Darf man einfach so in der Reitschule vorbeikommen?

In die Reitschule kann man jederzeit kommen, auf der Tribüne Platz nehmen und beim Unterricht zuschauen. Es ist aber nicht üblich die Stallungen zu betreten weder in unserer Reitschule noch in anderen Reitstallungen. Sie möchten ja auch keine Fremden in ihrem Schlafzimmer haben …  Pferde brauchen ihre Ruhephasen, sie schlafen auch tagsüber und sind sehr sen- sibel. 

Vielen Dank.

Interview: citysports.de, Anne Nyhuis, 06/2010, Foto: Petra Kronwitter

Buchtipp: Pitti und ihre Pferde

Als Grundlage für dieses Buch dienten die Erlebnisse, die die Tochter (Petra Kronwitter) der Autorin (Hanne Kurmis-Schwenk), während ihrer Kinder- und Jungendzeit mit den verschiedenen Pferden und Tieren in ihrem Umfeld hatte.

Das Buch "Pitti und ihre Pferde" kann bei www.buchhandel.de unter der ISBN-Nr. 978-3-7698-1650-1, im Handel für 16,90 € bestellt oder direkt im Reitbüro erworben werden.