Fechten

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Fechten

Fechten, sportlicher Zweikampf für Frauen und Männer, der mit speziellen Waffen auf einer Fechtbahn (Planche) ausgetragen wird. Der moderne Fechtsport ist sowohl Freizeit- als auch Wettkampfsport. Seine Wurzeln liegen im Schwertkampf, die Regeln und Techniken wurden ursprünglich für einen wirkungsvollen Einsatz der Waffe beim Duell entwickelt. Es wird unterschieden zwischen Florettfechten, Degenfechten und Säbelfechten. Die beiden erstgenannten Disziplinen werden auch bei den Frauen ausgetragen, letztere wird nur bei den Männern ausgeübt. Die Disziplinen unterscheiden sich sowohl durch die verwendeten Waffen als auch durch die Trefferfläche.

FLORETT, DEGEN UND SÄBEL 

Im modernen Fechtsport wird mit drei Waffen gefochten: Florett, Degen und Säbel. Die Klingen bestehen aus gehärtetem Stahl und sind etwa 89 Zentimeter lang. Das Höchstgewicht für Florett und Säbel beträgt etwa 500 Gramm, für den Degen 750 Gramm. Das Florett wurde ursprünglich als Übungs- und Sportwaffe entwickelt. Es wird als die grundlegende Waffe angesehen, und alle Anfänger beginnen mit dem Florett. Es ist eine leichte, biegsame Waffe; die Treffer erzielt man durch Stoßen auf den Gegner mit der abgestumpften Spitze. Die Klinge hat einen rechteckigen Querschnitt. Der moderne Degen entstand aus dem französischen Kurzschwert. Wie das Florett ist er eine Stichwaffe, hat aber eine größere Glocke (Handschutz) und ist schwerer und starrer gebaut. 

Sowohl für das Florett als auch den Degen gibt es unterschiedliche Griffformen, unter denen der Fechter nach seinen Bedürfnissen auswählen kann. Dazu gehören der französische Griff, der leicht gebogen ist und am Ende einen Knauf hat, der italienische Griff mit einer Querstange, der mit einem Halteriemchen verwendet wird, sowie unterschiedliche Formen gezackter Griffe, die entfernt einem Pistolengriff ähneln.

Der moderne Säbel ist von der früher von der Kavallerie verwendeten Waffe abgeleitet. Er besitzt einen schaufelförmigen Handschutz, der gebogen über die Hand verläuft. Die Klinge ist in etwa V-förmig. Treffer oder Punkte erzielt man durch Stöße oder hauptsächlich durch Hiebe (schlagende Bewegungen) mit der Klingenkante. Säbelgefechte sind besonders schnell und spannend für den Zuschauer. 

TECHNIKEN 

Im modernen Fechtsport unterscheidet man drei Disziplinen: Florett, Degen und Säbel. Es werden jeweils verschiedene Waffen verwendet, und die gültigen Trefferflächen unterscheiden sich.

Die Taktik unterscheidet sich bei den drei Waffen, aber bestimmte Grundtechniken sind allen drei Disziplinen gemeinsam. Die Angriffs- und Verteidigungsaktionen werden aus der Fechtstellung heraus vorgenommen, einer leicht gehockten Grundhaltung, bei der sich der Fechter mit gebeugten Knien, dem hinteren Arm gebogen nach oben gehalten und dem Waffenarm halb in Richtung des Gegners ausgestreckt, aufstellt. Die Grundform des Angriffs ist der Ausfall, bei dem der Waffenarm in Richtung der Trefffläche vorgestreckt und das vordere Bein schnell nach vorn bewegt wird. Der Angriff ist gelungen, wenn die gültige Trefffläche des Gegners getroffen wird. Beim Florett zählen nur Treffer auf dem Oberkörper. Beim Degen ist der gesamte Körper von Kopf bis Fuß Trefffläche. Beim Säbel umfasst die Trefffläche den Teil des Körpers oberhalb der Hüfte (Kopf, Arme und Oberkörper).

Eine Klingenbewegung, mit der ein Angriff abgewehrt werden soll, nennt man Parade. Beim Fechten kennt man acht Hauptparaden, die mit den französischen Ordnungszahlen Prime, Seconde, Tierce (oder Terz), Quarte, Quinte, Sixte, Septime und Octave bezeichnet werden. Außerdem wurde gegen die modernen Angriffstechniken noch eine neunte Parade (Neuvième) entwickelt. Jede Parade schützt einen bestimmten Teil der Trefffläche vor einem Angriff. Riposte nennt man einen Angriff, der unmittelbar auf eine Parade folgt.

Der Fechter, der in die Offensive geht, kann die Verteidigungsaktionen des Gegners mit unterschiedlichen Angriffsformen umgehen. Ein einfacher Angriff erfolgt in einer Bewegung, d. h. ein Stoß bzw. Hieb mit der Klinge, der den Gegner treffen soll, bevor er parieren kann. Ein zusammengesetzter Angriff besteht aus zwei oder mehr Klingenbewegungen. Die ersten dieser Bewegungen sind Finten, die den Gegner dazu verleiten sollen, in eine andere Richtung zu parieren als der des eigentlichen Angriffs. Weitere Techniken wie das Schlagen auf die gegnerische Klinge oder das Wegdrücken der gegnerischen Klinge können einen Angriff einleiten. Ein Laufangriff (Flèche) kann zur Überraschung des Gegners eingesetzt werden. Wird ein Fechter bedrängt, kann er versuchen, sich mit einem Zwischenstoß zu retten. Das ist ein plötzlicher Gegenangriff durch Ausstrecken des Armes ohne Ausfallschritt. 

Die Gefechte finden auf einer 1,80 bis 2 Meter breiten und 14 Meter langen Bahn statt, die von einer Mittellinie in zwei Hälften geteilt wird. Im Abstand von zwei Metern von der Mittellinie befindet sich jeweils die Startlinie, an der die beiden Kontrahenten zu Beginn des Gefechts Aufstellung nehmen. Der Fechter, der in den Vorrunden zuerst fünf, in der Direktausscheidung 15 Treffer erzielt, gewinnt das Gefecht. Bei organisierten Wettkämpfen sind die Waffen mit einer elektrischen Trefferanzeige verbunden. Dabei leuchtet eine farbige Lampe auf, und es ertönt ein Signal, wenn die Spitze der Waffe auf der Trefffläche landet. Bei Wettbewerben ohne elektrische Trefferanzeige entscheiden drei oder fünf Obleute über einen Treffer, während nur ein Obmann (französisch: President) gebraucht wird, wenn die elektrische Anzeige verwendet wird. Bei Florett und Säbel bestimmen komplizierte Regeln zum Angriffsrecht, welcher Fechter einen Treffer erzielt hat.

REGELN 

Im Fechtsport gibt es Einzel- und Mannschaftswettbewerbe. Ein Gefecht dauert zwischen sechs und zehn Minuten reiner Kampfzeit (bei den Frauen maximal acht, bei den Männern zehn Minuten). Gewinner ist, wer zuerst die festgelegte Anzahl von Treffern erzielt hat. Ist das Gefecht nach Ablauf der regulären Kampfzeit nicht entschieden, gewinnt derjenige Fechter, der den nächsten Treffer setzt. Die Leitung eines Gefechts obliegt dem Kampfleiter, der von vier Kampfrichtern unterstützt wird; daneben gibt es Schriftführer, Zeitnehmer und Zuständige für die elektronischen Geräte. Der Kampfleiter eröffnet das Gefecht mit „en garde” („Sind sie bereit?”), und nachdem die Kontrahenten dies bejaht haben, erfolgt das Kommando „allez”. Der Kampf wird mit „halte” unterbrochen, wenn ein Fechter die Bahn verlässt, eine Waffe verliert oder eine gefährliche Aktion unternommen hat. 

Ein Treffer wird gewertet, wenn die zulässige Trefferfläche berührt wird. Um entscheiden zu können, ob ein Treffer zustande kam, wird eine elektronische Anlage verwendet. Bei einem gültigen Treffer wird ein Ruhestromkreis unterbrochen, und auf der elektronischen Trefferanzeige erscheint ein optisches Signal. Die Fechter sind mit einem Körperkabel angeschlossen und schließen so den Stromkreis. Doppeltreffer (gleichzeitige Treffer beider Fechter innerhalb einer Viertelsekunde) werden beim Degenfechten gezählt, beim Florett- und Säbelfechten dagegen nicht. Letztlich entscheidet der Kampfleiter, ob ein Treffer als gültig gewertet wird oder nicht.

Als Regelwidrigkeiten gelten u. a. Körperberührung des Gegners, Berühren des Planchebodens mit der unbewaffneten Hand, Überschreiten der seitlichen Begrenzungslinien, offensichtlich brutale Kampfführung und Abwehren eines Angriffs mit der unbewaffneten Hand.

GESCHICHTE 

Wie beim Ringen und Boxen reichen die Wurzeln des Fechtens bis in die Antike zurück. Es entstand aus dem kriegerischen Schwertzweikampf. Bereits im alten Griechenland und Rom wurden Fechtschulen errichtet. Zur Blütezeit des Römischen Reiches gab es Gladiatorenkämpfe, die als Schaukämpfe zur Unterhaltung der Zuschauer in Kollosseen ausgetragen wurden. Im Mittelalter war das Schwert eine Offensivwaffe, die zum Aufbrechen der Rüstung diente; der Schild diente als Schutz vor Schwerthieben. Nachdem sich die Verwendung von Schießpulver verbreitet hatte, wurde die schwere Rüstung überflüssig, und das Schwert entwickelte sich zu einer Waffe, die sowohl offensiv als auch defensiv eingesetzt wurde. Im 16. Jahrhundert führte man in Italien das Rapier ein, und die Fechtkunst wurde bald in Fechtschulen systematisch gelehrt. Ein Dolch, später ein gefalteter Mantel, in der linken Hand ersetzte den Schild. Schließlich ließ man den linken Arm ganz frei. 

Das Rapier und der italienische Fechtstil wurden in Europa sehr beliebt, besonders in Frankreich und England. In diesen Ländern änderte man laufend Form und Größe des Rapiers, da es aufgrund seiner Länge und seines Gewichts immer etwas unhandlich war. Im 18. Jahrhundert erfand man in Frankreich den Degen (Kurzschwert), der sich dort rasch verbreitete. Die neue Waffe führte zu deutlichen Unterschieden zwischen dem italienischen und französischen Fechtstil. Die Italiener benutzten das Rapier spektakulär mit ausgeprägten, heftigen Gesten. Die Franzosen gingen mit dem Degen elegant mit möglichst sparsamen Bewegungen um. Der französische Stil wurde eindeutig führend. Seine Regeln gelten für die meisten heutigen Wettkämpfe, und das Vokabular des Fechtens besteht hauptsächlich aus französischen Wörtern.

Im 19. Jahrhundert war das Duell allgemein verboten, und die salle d’armes, die Fechtschule, entwickelte sich zu einer Einrichtung, in der das Fechten als Sport betrieben wurde. Ein großer Teil der Fechtausrüstung entstand in dieser Zeit; u. a. der Handschuh, der an der Waffenhand getragen wird, das Plastron (eine Unterziehweste zum Schutz des Oberkörpers) und die Maske aus Drahtgeflecht. 

Der erste deutsche Fechtverein wurde 1862 gegründet, die ersten deutschen Meisterschaften wurden 1896 ausgetragen. Das Fechten ist bei den Männern seit 1896 bei den Olympischen Spielen vertreten (in den Disziplinen Florett und Säbel, seit 1900 auch Degen), bei den Damen seit 1924 (nur im Florettfechten, seit 1996 auch im Degenfechten). Europameisterschaften fanden bei den Herren mit dem Degen erstmals 1921 statt (1922 mit dem Säbel, 1926 mit dem Florett), bei den Damen 1929. Die ersten Weltmeisterschaften wurden 1937 ausgetragen. Das Degenfechten ist eine der Disziplinen des modernen Fünfkampfs. Der Dachverband des Fechtsportes in Deutschland ist der Deutsche Fechterbund (DFeB; gegründet 1911, Sitz in Bonn), auf internationaler Ebene ist das Fechten organisiert in der Fédération Internationale d’Escrime (FIE; gegründet 1913, Sitz in Paris).

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