Kendo

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Kendo

1 EINLEITUNG

Kendo (japanisch „Weg des Schwertes”), traditionelle japanische Kampfsportart, bei dem die Kämpfer ursprünglich mit einem Schwert (Ken) gegen den Gegner vorgingen. Kendo wurde während der Meiji-Periode (1868-1912) in Japan auch als Ken-Jutsu, Ken-No-Michi und Gekken bezeichnet. Heutzutage wird der Kampf mit einem Bambusschwert (Shinai) und Schutzkleidung ausgetragen. Die Rüstung (Bogu) besteht aus einer Gesichtsmaske (Men), einer Brustplatte (Do), Panzerhandschuhen (Kote) und einem Schurz (Tare), der Bauch und Hüfte schützen soll. Unter der Rüstung tragen die Kämpfer (Kendoka) eine Art tief geschlitzten „Rock” (Hakama), der bis zu den Knöcheln reicht. Der Bambusstock darf maximal 1,18 Meter lang und 468 Gramm schwer sein. Die Kampffläche misst elf mal elf Meter.

Es gibt folgende Arten von Schlägen: (1) O-Shomen: ein vertikaler Hieb, der auf die Mitte der Stirn zielt, (2) Hidari-Men: ein seitlicher Hieb auf die linke Schläfe, (3) Migi-Men: ein seitlicher Hieb auf die rechte Schläfe, (4) Migi-Do: ein abwärtsgerichteter Hieb auf die rechte Seite der Brustplatte, (5) Gyaku-Do: ein abwärtsgerichteter Hieb auf die linke Seite der Brustplatte, (6) Kote: ein Hieb auf das rechte Handgelenk oder den rechten Unterarm, (7) Kidar-Kote: ein Hieb auf das linke Handgelenk oder den linken Unterarm, (8) Tsuki: ein Stoß gegen die Kehle.

Ein wichtiger Bestandteil des Kendo ist Kiai, ein lauter Kampfschrei, der bei einem Schlag ausgestoßen wird und der Mut und Entschlossenheit signalisieren und den Gegner einschüchtern soll. Ein Kampf (Shiai) wird normalerweise als „Drei-Punkte-Kampf” ausgetragen und dauert drei oder fünf Minuten. Der Kämpfer, der als erster zwei Punkte erreicht hat, ist der Gewinner. Endet ein Kampf unentschieden, wird der Sieger durch eine dreiminütige Verlängerung ermittelt; hier gewinnt derjenige, der den ersten Punkt erzielt.

Das Kendo-Training ist hart und erfordert strenge Disziplin. Disziplin oder Verhaltensmaßregeln (Reigi) sind ein wichtiger Bestandteil dieser Kampfkunst und müssen streng beachtet werden. Ein guter Kendoka zu sein bedeutet mehr als nur gut kämpfen zu können. Es ist eine Kunst, die die geistige und körperliche Fitness fördern und den Charakter stärken soll. Ziel ist die Herstellung von Harmonie zwischen Körper und Geist.

2 GESCHICHTE

Die erste Erwähnung des Schwertkampfes in Japan stammt aus dem Jahr 789 n. Chr., als Kumatichi (Schwertübungen) Bestandteil der Ausbildung von Söhnen aus Adelsfamilien war. Die Samurai perfektionierten diese Kampfkunst und richteten Kendo-Schulen für ihre Krieger ein. Das moderne Kendo geht zurück auf das Ryu-Ha-Kenjutsu, das intensive Studium des Schwertkampfes. Heute wird der Sport in Japan von über zwei Millionen Menschen ausgeübt, auch in den USA, Europa, Brasilien, Argentinien, Taiwan, Korea, den Philippinen und Australien ist Kendo verbreitet. Die ersten Kendo-Schulen in Europa wurden in Großbritannien gegründet. In Deutschland gibt es Kendo seit 1966, hier wird es durch den Deutschen Judo-Bund (DJB; gegründet 1956, Sitz in Frankfurt am Main) vertreten. Der Weltverband ist die International Kendo Federation (IKF; Sitz in Tokyo). Seit 1969 finden Europameisterschaften statt, seit 1970 Weltmeisterschaften und deutsche Meisterschaften. Bisher wurden bei der WM alle Einzel- und Mannschaftstitel von japanischen Kendokas gewonnen.

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