Tai Chi

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Tai Chi

Tai Chi Chuan (Tàijíquán), verkürzt auch Tai Chi bzw. chinesisches Schattenboxen genannt, ist eine im Kaiserreich China entwickelte innere Kampfkunst für den bewaffneten oder unbewaffneten Nahkampf. Heutzutage dient Tai Chi oftmals der Gesundheit, Entspannung und der Meditation.

Körperspannung, Atmung und Aufmerksamkeit

Beim Üben soll der Körper „entspannt“ sein. Das bedeutet nicht, dass alle Muskeln im Körper schlaff sind (wie etwa im REM-Schlaf), sondern dass nur die für eine bestimmte Bewegung oder Haltung wirklich benötigten Muskeln angespannt werden und die übrigen Muskeln in Ruhestellung sind. Das heißt, es geht um die Ausprägung der sogenannten Jin-Kraft, um gerichtete Bewegungen, die im Körper gesamtkoordiniert werden und keinen hemmenden Spannungen unterliegen.

Die Bewegungen im Taijiquan sollen bewusst und aufmerksam ausgeführt werden. Dabei wird jedoch nicht eine ausschließliche Konzentration auf die Vorgänge im Körper des Übenden gefordert, sondern sie soll sich gleichmäßig zwischen der Wahrnehmung der eigenen Bewegungen und der Umwelt aufteilen.

Tai Chi-Bekleidung

Anders als in vielen Kampfsportarten existiert im Taijiquan kein Graduierungssystem, wie beispielsweise die Gürtelfarben im Karate oder Judo. Auch gibt es keine standardisierte Kleidung für Praktizierende, jedoch ist das Tragen von Schuhen mit flacher, dünner Sohle und leichter, bequemer Kleidung üblich.

Entstehung der 5 Familienstile

Verlässlich lässt sich die Geschichte des Taijiquan bis etwa zur Mitte des 16. Jahrhunderts zurückverfolgen. Damals entwickelte General Qi Jiguang (1528−1588) einen neuen Kampfkunststil aus den 32 ihm bekannten Stilen. Obwohl darin kein Taijiquan erwähnt wurde, enthält das Buch dennoch zahlreiche Techniken, die heute noch im Chen-Stil des Taijiquan zu finden sind.

Mitte des 17. Jahrhunderts tauchte im Dorf Chenjiagou ein Boxstil auf, der heute als der Chen-Stil des Taijiquan bekannt ist. Der Überlieferung der Familie Chen zufolge wurde der Stil von General Chen Wangting (1600−1680) aus seinen bestehenden Kenntnissen der Kampfkünste entwickelt. Welche Rolle der Wudang-Mönch Wang Zongyue bei der Schaffung des Taijiquan gespielt hat, beziehungsweise ob es ihn überhaupt gegeben hat, ist historisch nicht klar belegt.

Fest steht, dass der Stil seit dieser Zeit zunächst als Familiengeheimnis der Familie Chen weiterentwickelt und tradiert wurde. Das Taijiquan der Chen-Familie wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erstmals an einen Außenstehenden weitergegeben. Chen Changxing (1771–1853) akzeptierte Yang Luchan (W.-G. Yang Lu-ch’an, 1799–1872) als Schüler im inneren Kreis der Familie. Yang Luchan entwickelte das Gelernte weiter und wurde zum Begründer des Yang-Stils. Etwas später unterrichtete Chen Qingping (1795–1868) ebenfalls außerhalb der Familie Wu Yuxiang (1812–1880), den Begründer des Wu/Hao-Stils. So wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Grundlage für die sogenannten fünf Familienstile gelegt, die jeweils innerhalb einer Familie weiterentwickelt und gepflegt wurden. Der Meister gab seinen Stil vollständig nur an seine Söhne weiter, so dass das Oberhaupt eines Taijiquan-Stiles gleichzeitig das Familienoberhaupt war.

Zwischen den verschiedenen Familien gab es besonders zur Gründungszeit intensiven Austausch. Die fünf Familienstile sind:

Chen-Stil im „kleinen Rahmen“ oder im „großen Rahmen“ (Dajia) (Mitte 17. Jahrhundert). Seit etwa 1976 wird im großen Rahmen zusätzlich zwischen dem „alten Rahmen“ und dem „neuen Rahmen“ unterschieden.

Yang-Stil nach Yang Luchan; im „großen Rahmen“ nach Yang Chengfu (Yáng Chéngfǔ, W.-G. Yang Ch’eng-fu, 1883–1936) oder im „kleinen Rahmen“ nach Yang Banhou (Yáng Bānhóu, W.-G. Yang Pan-hou) 1837–1892)

Wu/Hao-Stil (nach Wu Yuxiang, W.-G. Wu Yu-hsiang, 1812–1880)

Wu-Stil nach Wu Quanyou (Wú Quányòu, W.-G. Wu Ch’uan-yu, 1834–1902) und seinem Sohn Wu Jianquan (Wú Jiànquán, W.-G. Wu Chien-ch’üan, 1870–1942)

Sun-Stil (nach Sun Lutang, ūn Lùtáng, W.-G. Sun Lu-t’ang, 1861–1932)

Da das Taijiquan mittlerweile nicht mehr nur im Kreis der Familie weitergegeben wird, kann man heute nicht mehr aus dem Namen eines Meisters auf seinen Stil zurückschließen.

Organisationsstruktur weltweit

Die Organisationsstruktur des Taijiquan ist wesentlich uneinheitlicher als in den meisten anderen Sportarten, für die es internationale und nationale Dachverbände gibt und die von den meisten Sportlern anerkannt werden. Das Taijiquan hat zahlreiche verschiedene Stile und Unterstile. Ein internationaler Verband, unter dem Meister, Lehrer und Übende aller Stile organisiert sind, existiert nicht. Es gibt jedoch einige stilübergreifende nationale Dachverbände sowie internationale Verbände einzelner Stilrichtungen, allerdings dementsprechend kein international einheitliches System zur Ausbildung und Evaluation von Lehrern.

Organisationstruktur in Deutschland

In Deutschland gibt es zahlreiche Verbände, Schulen, Vereine und Einzellehrer in vielen unterschiedlichen Stilen. 2003 wurde der Deutsche Dachverband für Qigong und Taijiquan e. V. (DDQT) gegründet, dem die meisten der großen Verbände der unterschiedlichen Stile angehören, und der Ausbildungsrichtlinien für Taijiquan-Lehrende formuliert hat.

Tai Chi als Gesundheitsvorsorge

Diese Ausbildungsrichtlinien sind in die Leitlinien der Krankenkassen zur Umsetzung von § 20 SGB V eingeflossen, in denen der DDQT e. V. als maßgebliche Fachorganisation zur Anerkennung von Qualifikationen für Qigong- und Taijiquan-Unterrichtende genannt ist. In vielen Fällen übernehmen daher die gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen der Gesundheitsvorsorge zumindest teilweise die Kosten von Taijiquan-Kursen, sofern diese von einem von der Krankenkasse zugelassenen Unterrichtenden durchgeführt werden.

Der Atem soll tief sein und locker und natürlich fließen. Durch die angestrebte Bauchatmung ist die Atemfrequenz deutlich niedriger, als in der normalerweise verwendeten Brustatmung. Während Anfänger meistens erst lernen müssen, den Atem frei fließen zu lassen oder ihn an die Bewegungen anzupassen, passt sich der Atemrhythmus bei Fortgeschrittenen natürlicherweise an die Bewegung an. Unterschiedliche Taijiquan-Stile gehen mit dem Atem allerdings unterschiedlich um.

© Wikipedia, 01/2011

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